Am Anlandepunkt der Nord Stream-Ostseepipeline werden Ersatzstahlrohre für die Pipeline eingelagert (Archivbild). | dpa

Ankündigung von Gazprom Nord Stream 2 soll noch dieses Jahr Gas transportieren

Stand: 19.08.2021 17:47 Uhr

Der russische Staatskonzern Gazprom macht Druck. Obwohl die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 noch nicht fertig ist, will er bis zum Jahresende mehrere Milliarden Kubikmeter Gas durch die Rohrleitungen liefern.

Einen Tag vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau hat der russische Gazprom-Konzern überraschend angekündigt, noch in diesem Jahr Gas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nach Deutschland zu transportieren. Die Rede ist von 5,6 Milliarden Kubikmetern.

Dabei ist der Bau noch nicht ganz fertig gestellt. Nach früheren Angaben des Betreibers, der Nord Stream 2 AG, sollten die Verlegearbeiten Ende dieses Monats abgeschlossen werden. Einen Termin, wann die Pipeline anschließend in Betrieb gehen kann, gibt es aber noch nicht.

Gazprom teilte mit, über die bereits existierende Pipeline Nord Stream 1 seien in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 33,7 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland gepumpt worden. Die zu 99 Prozent fertigstellte Fernleitung Nord Stream 2 soll eine Transportkapazität von 110 Milliarden Kubikmetern pro Jahr haben. Die Pipeline verläuft von Wyborg in Russland durch die Ostsee bis nach Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.

US-Sondergesandter für Pipeline-Projekt

Das Projekt war jahrelang umstritten. Die Ukraine als bisher wichtigstes Transitland von russischem Gas nach Westeuropa fürchtete, geschwächt zu werden und empfindliche Einnahmeverluste zu erleiden. Die USA und fast alle europäischen Staaten werfen der Bundesregierung vor, die Abhängigkeit von Gas-Lieferungen aus Russland zu vergrößern. Bei ihrem jüngsten Besuch in Washington bei US-Präsident Joe Biden konnte die Bundeskanzlerin aber eine Einigung erzielen, so dass die Pipeline fertiggestellt und in Betrieb gehen kann.

Allerdings hat Biden Amos Hochstein zum Sondergesandten für das Projekt Nord Stream 2 ernannt. Hochstein gilt als erbitterter Gegner der Gasleitung. Nun soll der US-Diplomat darauf achten, dass Berlin alle gemachten Zusagen einhält. Hochstein warf Deutschland vor, sich mit dem Projekt erpressbar zu machen. Schließlich könne Russlands Präsident Wladimir Putin die Gaslieferung jederzeit abdrehen.

Das Projekt dürfte auch beim morgigen Besuch von Angela Merkel in Moskau bei Putin ein Gesprächsthema sein. Zwei Tags später macht die Kanzlerin in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Station, kurz bevor die Ukraine am Dienstag den 30. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung von der Sowjetunion feiert. Merkel wird sich in Kiew auch auf weitere Kritik zum Thema Nord Stream 2 einstellen müssen. "Wir nehmen die Sorgen der ukrainischen Seite sehr ernst", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es bleibe dabei, dass Deutschland dafür eintrete, dass die Ukraine Transitland für russisches Gas bleibt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Juli 2021 um 22:15 Uhr.