Blick auf Manhattan vom SUMMIT One Vanderbilt aus | REUTERS

New York nach Omikron Zeit des Erwachens

Stand: 23.02.2022 08:18 Uhr

Nach dem Höhepunkt der Omikron-Welle versucht New York zum zweiten Mal in der Pandemie die Rückkehr zur Normalität. Die einen können es kaum erwarten. Andere zögern: Vor allem viele Büros sind weiter verwaist.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

"Gut, sich wiederzusehen!", schallt es euphorisch aus dem legendären Apollo-Theater in Harlem. Nach zwei Jahren mit Corona und zuletzt der Omikron-Welle geht es endlich wieder bergauf. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie überhaupt öffnet das Apollo wieder den Vorhang zu seiner Talentshow. "Willkommen!" - Opener Greginald Spencer stimmt ein auf die Amateurnight, die schon Stars von Ella Fitzgerald über Michael Jackson bis Machine Gun Kelly berühmt gemacht hat.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Am Broadway ist wieder Licht an

"Es fühlte sich großartig an", schwärmt Spencer hinterher. "Zum ersten Mal seit zwei Jahren - dabei wussten wir damals nicht, ob wir das hier überhaupt wiedersehen würden." Das Wiedersehen haben die New Yorker schon geübt. Schon einmal war die Stadt dabei aufzuwachen. Dann warf Omikron sie wieder zurück. Doch täglich grüße das Murmeltier, sagt Spencer - jetzt gehe es wieder bergauf.

"Das Apollo öffnet, der Broadway öffnet, die Maskenpflicht ist aufgehoben, und jeder Laden darf selbst bestimmen, ob die Leute Masken tragen müssen oder nicht." Nach und nach knipst der Broadway seine Lichter an, die zum Jahresende gerade mal wieder erloschen waren. Nach und nach kommen 35 große Shows zurück. Der "Musicman" mit Hugh Jackmann oder "MJ - The Musical" feierten vor vollbesetzten Plätzen Premiere. Auf dem Times Square drängen sich wieder die Massen.

Hugh Jackman und Sutton Foster bei der Premiere von "The Music Man" in New York | REUTERS

Endlich wieder Staraufgebot am Broadway: Hugh Jackman und Sutton Foster posieren auf dem Roten Teppich zur Premiere des Musicals "The Music Man". Bild: REUTERS

Die Touristen kommen wieder

Und auch die Hotels füllten sich langsam wieder. "Es geht stetig bergauf", sagt Chris Heywood von New Yorks Tourismus-Organisation NYC & Company. "Wir hatten in der vergangenen Woche eine Belegung von über 50 Prozent, wir haben 452.000 Hotelnächte verkauft."

Es sei die bislang die beste Woche des Jahres gewesen - Tendenz steigend, meint Heywood, da immer mehr Touristen nach New York kämen. Besucher aus Deutschland seien unter den Top zehn Prozent. "Sie sind eine Hauptquelle der europäischen Touristen, und das waren sie immer. Wir freuen uns auf die deutschen Gäste!"

Leere Bürotürme, leere Geschäfte

Leer dagegen bleibt es in den Bürotürmen. Derzeit sind nach Informationen des Schlüsselkarten-Diensts "Kastle" gerade einmal 26 Prozent der Büros besetzt. Bürgermeister Eric Adams ruft flehend in die leere Betonwüste: "Man kann doch New York City nicht von zu Hause aus am Laufen halten!"

Die Stadt braucht vor allem die Millionen von Bürokräften zurück, die vor der Pandemie ins Homeoffice geflüchtet sind. Ohne sie sterben im Geschäftszentrum Midtown Tausende kleiner Läden, Imbisse, Schuster und Friseurläden.

Omikron habe New Yorks Restaurantszene verheerend getroffen, sagt der Chef des Gastronomieverbands Andrew Rigie. "Wir haben Tausende Lokale verloren. Viele kämpfen noch. Uns fehlen im Vergleich zu vor der Pandemie 75.000 Jobs in den Bars und Restaurants."

"Kommt zurück!"

Die Deutsche Bank gehört zu den ersten Konzernen, die ihre Belegschaft wieder voll ins Büro zurückgeholt haben. Auch das Börsenparkett ist wieder komplett voll und maskenfrei dabei. Andere Firmen zögern noch. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul stimmt das ungeduldig. "Sagt allen, dass sie zurückkommen sollen", appelliert Hochul an die Firmenchefs. "Zahlt ihnen einen Bonus, wenn sie ihre Zoom-App verbrennen. Kommt zurück!"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 18. Februar 2022 um 07:15 Uhr.