Die Skyline von Manhattan im Licht der untergehenden Sonne.

Leerstand durch Pandemie Corona verändert Manhattans Bürotürme

Stand: 25.04.2021 15:32 Uhr

In den Wolkenkratzern Manhattans ist wegen Corona wenig los. Viele Firmen haben ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Ob sie zurückkehren, ist fraglich. Die Bürotürme werden sich dauerhaft verändern, glauben viele.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Mehr als die Hälfte der New Yorker haben schon mindestens eine Impfdosis bekommen. Kultur, Sport und Gastronomie sind längst wieder auf dem Weg in die Vor-Corona-Zeit. Doch in Midtown Manhattan ist diese Aufbruchstimmung nicht angekommen. Hier stehen 90 Prozent der Wolkenkratzer-Büros noch immer leer.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Homeoffice wird zum Teil bleiben

Selbst Optimisten gehen davon aus, dass bis zum Herbst höchstens die Hälfte der Angestellten wieder am Schreibtisch sitzen wird: "Die Menschen werden auch nach der Pandemie weiter von zu Hause arbeiten, zumindest die mit Bürojobs", sagt Susan Lund von der Unternehmensberatung McKinsey voraus. "Sie brauchen nur einen Computer - egal, wo der steht. Die meisten Unternehmen werden wohl ein Mischmodell einführen: ein paar Tage die Woche im Büro, die anderen Tage Arbeit von zu Hause."

Selbst renommierte New Yorker Arbeitgeber wie die Großbank JP Morgan gehen nicht davon aus, dass es ein Zurück zum "Relikt" der Fünf-Tage-Bürowoche geben wird. Auch der Chef des Finanzriesen Blackrock, Larry Fink, findet, die Finanzindustrie habe in der Pandemie bewiesen, dass es auch aus der Distanz klappe: "Wir sind gut gefahren mit dem Homeoffice. Das funktioniert sehr gut."

Firmen prüfen Einsparungen bei teuren Büromieten

Deshalb gibt es in vielen Unternehmen längst die Überlegung, sich die teils astronomischen Mieten - selbst für schäbige Mini-Büros - in den Wolkenkratzern Manhattans zumindest zum Teil zu sparen. Eine Horrorvision für die Stadt, die dringend auf die Steuereinnahmen angewiesen ist - und natürlich für die Immobilienindustrie, die sinkende Mieten befürchtet und deshalb weiter die "gute, alte Zeit" beschwört.

"New York ist immer noch ein wichtiger und wachsender Markt", behauptet Michael Slattery von CBRE, dem Marktführer für Geschäftsimmobilien in New York. "Einen Fuß in New York zu haben, ist für viele Firmen ein Muss. Sie zahlen die hohen Mieten hier gern, weil sie um die Stärke dieser Stadt wissen. Und das wird sich nicht ändern."

Ein neues Antlitz für Manhattan?

Andere hingegen hoffen sogar darauf, dass die Pandemie Manhattan dauerhaft verändern wird. So auch Anna Tavis. Sie forscht an der New York University zur Zukunft der Arbeit: "Wenn diese teuren Mieten sinken, dann ist das die Chance für neue innovative Unternehmen und Start-ups. Oder die Möglichkeit für Organisationen zurückzukommen nach New York."

Tavis glaubt auch, dass sich die Büroflächen selbst verändern werden, wenn mehr im Homeoffice gearbeitet wird: "Viele dieser Stellwände, die jetzt Mini-Arbeitsplätze abgrenzen, werden verschwinden. Es wird mehr Platz geben, mehr Raum, mehr Luft für die Mitarbeiter. Es werden weniger Menschen auf einer Etage arbeiten."

Chance für neue Bürokonzepte

Eine große Chance für die Innenarchitekten, neue, innovative Bürokonzepte zu entwerfen, sagt die Zukunftsforscherin. Und nicht nur das: "Wir werden die Stadt neu erfinden müssen. Auch den Verkehr in der Stadt - gerade im Hinblick auf eine grüne, nachhaltigere Wirtschaft."

Es gebe jetzt viele Möglichkeiten, etwas zu verändern - davon ist Tavis überzeugt. "Vielleicht hat es den Schock der Pandemie gebraucht, um deutlich zu machen, dass es einfach nicht so weitergehen kann, wie die Stadt bisher funktioniert hat."

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. April 2021 um 14:55 Uhr.

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KOMMENTARE

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th711 25.04.2021 • 23:43 Uhr

Ich kann mir das mit dem

Ich kann mir das mit dem Homeoffice für mich gar nicht vorstellen. Extra um nicht zu Hause arbeiten zu müssen, habe ich mir ein Firmengebäude bauen lassen. Ist schon 18 Jahre her, zugegebenermaßen, und damals hatte ich noch Mitarbeiter. Jetzt bin ich alleine, aber von zu Hause aus arbeiten möchte ich trotzdem nicht. Vor über 40 Jahren, wie ich angefangen habe, da habe ich tatsächlich von zu Hause aus gearbeitet. Das möchte ich nie wieder tun! Ich möchte, seit damals, richtig differenzieren können zwischen Arbeits- und Freizeit. Für mich ist die Vorstellung von zu Hause aus arbeiten zu müssen grauenhaft. Mag sein, daß es anderen da anders geht.