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Finanzkriminalität Malta auf grauer Liste für Finanzstraftaten

Stand: 24.06.2021 09:40 Uhr

Korruption, Geldwäsche und "goldene Pässe": Die Mittelmeerinsel Malta ist ins Zwielicht geraten. Eine internationale Institution zur Bekämpfung von Geldwäsche will das Land nun verstärkt überwachen.

Die Versuche der maltesischen Regierung, die Entscheidung der Financial Action Task Force (FATF) noch abzuwenden, waren erfolglos: Die internationale Institution zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Finanzierung von Massenvernichtungswaffen hat Malta auf die graue Liste für Finanzstraftaten gesetzt, wie die Zeitung "Times of Malta" berichtete.

Die Aufnahme auf diese Liste bedeutet, dass das Land unter verstärkter Beobachtung steht, dass es vermehrt überwacht wird. Zugleich verpflichtet sich das Land, die festgestellten Mängel im Rahmen der Finanzkriminalität zu beseitigen.

Wer ist die FATF?

Die Financial Action Task Force mit Sitz in Paris ist eine eigenständige internationale Institution, die Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Finanzierung von Massenvernichtungswaffen entwickelt und fördert. Sie wurde 1989 von den G7-Staaten gegründet und hat aktuell 37 Mitglieder. Mehr als 200 Staaten und Jurisdiktionen haben sich zur Einhaltung der FATF-Standards verpflichtet. Unterstützt wird die FATF von einem bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angegliederten Sekretariat.

Malta sichert Kooperation zu

Regierungschef Robert Abela bestätigte die Entscheidung und bezeichnete sie als "ungerecht". Auf die meisten Bedenken, die die Gutachter äußerten, sei man bereits eingegangen. Malta wolle mit seinem Reformprogramm weiter fortfahren, sagte Abela.

"Wir werden unseren Austausch intensivieren, um Maltas Erfolge besser zu erklären und zu versichern, dass sie von der internationalen Gemeinschaft beachtet und verstanden werden." Malta zeige sich im Kampf gegen Finanzkriminalität nie unkooperativ oder sperre sich dagegen, sicherte er den internationalen Partnern zu.

Auch Cayman Islands und Syrien auf grauer Liste

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Malta ins Zwielicht geraten ist: Das Land wurde bereits wegen seines Programms für die "goldenen Pässe" verstärkt auf Finanzkriminalität überprüft. Malta hatte - ebenso wie Zypern - Staatsbürgerschaften gegen finanzielle Zusagen vergeben. Die EU-Kommission leitete daraufhin Vertragsverletzungsverfahren ein.

Mit dem Sprung auf die graue Liste der FATF geht nun ein weitere Reputationsverlust für das Land einher. Auf der grauen Liste der FATF stehen, Stand Februar 2021, Länder wie Burkina Faso, die Cayman Islands, Ghana, Mauritius, Panama, Syrien, Uganda, Jemen und Simbabwe.

Deutschland hat FATF-Präsidentschaft inne

Deutschland hat im Juli 2020 die Präsidentschaft der FATF übernommen. Die Amtszeit von Marcus Pleyer vom Bundesministerium der Finanzen endet am 30. Juni 2022.

Financial Action Task Force (FATF) Präsident Marcus Pleyer | Felix Zahn/photothek.net

Marcus Pleyer ist derzeit Präsident der FATF. Bild: Felix Zahn/photothek.net

Derzeit wird übrigens auch die Bundesrepublik Deutschland routinemäßig von der FATF geprüft. Bei der letzten Evaluierung 2010 kam die Organisation zu dem Ergebnis, dass Deutschland anfällig sei für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juni 2021 um 18:40 Uhr.