Alumiumstangen | picture alliance / Guido Kirchne

Gefahr für Autohersteller Industrie befürchtet Aluminium-Engpass

Stand: 22.10.2021 14:43 Uhr

Der deutschen Industrie geht das Magnesium aus: Vor allem die Autoindustrie ist bedroht, weil der Rohstoff für Aluminium-Legierungen benötigt wird. Experten warnen vor einem Produktions-Stopp.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Monatelang schien der Chipmangel für die deutsche Industrie das wesentliche Problem bei der Produktion zu sein. Vor allem die Autoindustrie klagte über ernste Lieferengpässe. Dieser Engpass ist noch nicht annähernd behoben, da droht schon der nächste Mangel die Hersteller zu lähmen. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle (WM) warnte jüngst in einem Positionspapier vor Lieferengpässen bei Magnesium - einem wichtigen Rohmaterial für die Produktion von Aluminium, das im Automobil- und Flugzeugbau dringend benötigt wird.

China habe im Zuge von Bemühungen, den eigenen Energieverbrauch zu drosseln, die Produktion von Magnesium zuletzt drastisch reduziert. "Mit einem Anteil von 87 Prozent an der Produktion hat China ein nahezu vollständiges Monopol auf die weltweite Magnesiumproduktion", heißt es im WM-Papier. China decke 95 Prozent des Magnesiumbedarfs in Europa, damit bestehe eine fast vollständige Abhängigkeit.

Magnesium lässt sich nicht ersetzen

Magnesium ist deshalb ein so bedeutendes Rohmaterial, weil es zur Produktion bestimmter Aluminium-Legierungen benötigt wird, die unter anderem in der Automobilindustrie verwendet werden. Aluminium im Naturzustand ist für die Industrie ungeeignet, weil es nicht die erforderlichen Eigenschaften aufweist, die für die Autoherstellung erforderlich sind. Pro Auto werden zwischen 150 und 200 Kilogramm Aluminium verbaut.

Es gebe keinen Ersatz für Magnesium in der Aluminium-Produktion, unterstreicht Amos Fletcher, Rohstoff-Experte der Barclays-Bank, in einer Analyse: "Wenn der Magnesium-Nachschub endet, wird eventuell die gesamte Autoindustrie gezwungen sein, die Produktion zu stoppen."

Für die Autoindustrie ist Magnesium also unverzichtbar. Aber auch in der Medizintechnik werden Aluminium-Legierungen dringend benötigt, etwa für Beatmungsgeräte. Hinzu kommen noch zahlreiche Verwendungen in der Flugzeug-, Bau- oder Verpackungsindustrie ebenso wie im Maschinenbau und bei der Stahlproduktion.

Vorräte bis Ende November

"Das ist ein riesiges Problem, vor dem wir hier derzeit stehen", sagt Tim Stappen, Sprecher des Gesamtverbands der Alumimium-Industrie, Aluminium Deutschland, gegenüber tagesschau.de. "Unternehmen berichten uns, dass ihre Magnesium-Vorräte nur noch bis Ende November reichen." Magnesium sei nicht unendlich lange lagerbar, die Unternehmen benötigten also regelmäßigen Nachschub. "Die Unternehmen hängen in der Luft", warnt Stappen.  

"Bei einem Versorgungsengpass dieses Ausmaßes drohen massive Produktionsausfälle", heißt es dazu auch in der Stellungnahme der Wirtschaftsvereinigung Metalle. "Deutschland und Europa sind deshalb besonders stark von den Lieferengpässen betroffen, da im Jahr 2001 die verbliebene Magnesiumproduktion als Folge von gedumpten chinesischen Einfuhren aufgegeben wurde."

Riskante Abhängigkeit von chinesischen Importen?

Auch der Europäische Aluminium-Verband hat sich zu Wort gemeldet: Der aktuelle Engpass sei ein eindeutiges Beispiel für das Risiko, das die EU eingehe, indem sie ihre Ökonomie von chinesischen Importen abhängig mache, heißt es von dem Verband. Seine Forderung: Die EU-Strategie für eine sichere Versorgung mit Industriemetallen müsse gestärkt werden.

Bereits seit 2017 steht Magnesium auf einer Liste der kritischen Rohstoffe für Europas Industrie. , wie die WM mitteilt. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle appellierte an die Bundesregierung, "dringend diplomatische Gespräche mit China einzuleiten", um die Versorgung der deutschen Wirtschaft sicherzustellen.

Rekordpreise an den Metallbörsen  

Auch die steigenden Preise an den Rohstoffbörsen sind zunehmend ein Problem für die Unternehmen: Der Preis für eine Tonne Aluminium erreichte vor einigen Tagen mit mehr als 3000 Dollar das höchste Niveau seit 13 Jahren. Seitdem gaben die Notierungen zwar wieder etwas nach, gleichwohl verteuerte sich das Metall in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 60 Prozent.

Auch der Magnesiumpreis ist hochgeschossen. Laut "Financial Times", die den Preis-Informationsdienst Argus Media zitiert, mussten Unternehmen zuletzt eine Preissteigerung von rund 75 Prozent auf mehr als 9000 Dollar pro Tonne innerhalb eines Monats verkraften.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. Oktober 2021 um 17:38 Uhr in der Wirtschaft und Börse.