Eine Person zählt türkische Lira. | REUTERS

Nach Erdogan-Aussagen Lira bricht weiter ein

Stand: 23.11.2021 15:53 Uhr

Die Abwertung der türkischen Lira nimmt kein Ende. Nach Aussagen von Präsident Erdogan zu den Wettbewerbsvorteilen einer schwachen Währung setzte die Lira erneut zur Talfahrt an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die seit Monaten schwächelnde Währung seines Landes weiter unter Druck gesetzt. Am Nachmittag sank die Lira zum Dollar und zum Euro auf Rekordtiefstände. Gegenüber dem Dollar betrugen die Tagesverluste zeitweise 14 Prozent. Der Dollar stieg im Gegenzug erstmals über 12 Lira. Der Eurokurs legte auf 14,06 Lira zu.

Auslöser für den weiteren Fall war die Aussage von Präsident Erdogan, er werde seine Geldpolitik nicht ändern und dem "Druck widerstehen", den Leitzins zu erhöhen. Bei einer Kabinettssitzung am Montagabend hatte Erdogan gesagt, es gebe ein "Komplott" gegen die türkische Wirtschaft. "Wir sehen sehr gut das Spiel einiger mit dem Wechselkurs, den Devisen, den Zinsen, den Preiserhöhungen", sagte er. "Wir werden unseren Willen zeigen, unserem eigenen Spielplan zu folgen."

Erdogan fordert niedrige Zinsen

Der türkische Staatschef möchte über niedrige Zinsen Kredite und Investitionen ankurbeln und vor dem Hintergrund eines starken Wirtschaftswachstums 2023 als Präsident womöglich wiedergewählt werden. Seit September haben die Geldwächter den Leitzins von 18 auf 15 Prozent gesenkt. Die Inflation ist im selben Zeitraum auf knapp 20 Prozent gestiegen. Die Lira verlor binnen zwei Monaten mehr als 15 Prozent an Wert. Die Zentralbank folgt damit dem Wunsch Erdogans. Er ist der Meinung, hohe Leitzinsen würden die Inflation eher anheizen und lehnt sie zudem deshalb ab, weil sie seiner Meinung nach das Wachstum bremsen. 

Damit widerspricht Erdogan allen Lehren der modernen Ökonomie. Deren Anhänger betrachten die Leitzinsen als ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die hohe Inflation: Zentralbanken erhöhen dann in der Regel den Leitzins, den die Banken meist an ihre Kunden weitergeben. Die beabsichtigte Folge: Die Zahl der Kreditvergaben und damit die Geldmenge im Umlauf sinkt. Die Türkei ächzt derzeit unter einem hohen Preisanstieg - zuletzt erreichte die Inflation offiziell rund 20 Prozent und gehört damit zu den höchsten weltweit. 

Auch Ultranationalisten wollen niedrigere Zinsen

Dennoch dürfte der Druck auf die Notenbank und damit auch die Lira anhalten. So forderte Devlet Bahceli, Chef der ultranationalistischen Partei MHP, eine Diskussion über das Ende der Unabhängigkeit der Notenbank. Die MHP ist Teil der Regierung Erdogans. "Unabhängige Institutionen können nicht über dem Willen des Volkes stehen", sagte Bahceli. "Die Türkei soll frei von der Zinsbelastung sein." Zudem forderte er, dass sich die Türkei dem Internationalen Währungsfonds und der "Zinslobby" entgegenstelle. Die Aussagen dürften das Vertrauen in die Lira und die türkische Wirtschaft weiter schwächen.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Radio am 24. November 2021 um 09:35 Uhr.