Ein Transportschiff für verflüssigtes Erdgas wird in Katar beladen | AP

Partnerschaft unterzeichnet Katar will LNG schon 2024 liefern

Stand: 20.05.2022 16:31 Uhr

Schon in zwei Jahren soll Deutschland verflüssigtes Erdgas (LNG) aus Katar geliefert bekommen. Wirtschaftsminister Habeck unterzeichnete nun offiziell die deutsch-katarische Energiepartnerschaft.

Katar will Deutschland schon im Jahr 2024 verflüssigtes Erdgas (LNG) liefern. "Wir wollen unsere US-Flüssiggasanlage Golden Pass in Texas, an der Qatar Energy 70 Prozent hält, bereits 2024 so weit haben, dass wir nach Deutschland liefern können", sagte der Vizepremier des Golfstaats, Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, dem "Handelsblatt".

Im Ringen um mehr Unabhängigkeit von russischem Gas hat die Bundesregierung die Energiepartnerschaft mit Katar nun offiziell vereinbart. Der Emir von Katar, Scheich Tamim Al Thani, und Wirtschaftsminister Robert Habeck hätten beim Staatsbesuch Al Thanis in Berlin eine Absichtserklärung für eine tiefere Zusammenarbeit unterzeichnet, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Die Energiepartnerschaft werde Deutschland durch den Bezug von LNG aus Katar bei der Diversifizierung seiner Gasversorgung helfen und zugleich der Zusammenarbeit bei "grünem Wasserstoff" einen Schub verleihen.

Energiepartnerschaft mit Katar

Die deutsch-katarische Energiepartnerschaft solle den "hochrangigen Austausch" beider Regierungen zu energiebezogenen Themen fördern, Brücken zwischen beiden Ländern bauen und Akteure aus öffentlichem und privatem Sektor zusammenbringen, hieß es. Vorgesehen seien regelmäßige Treffen zwischen dem katarischen Energieministerium und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Dafür kündigte das Ministerium zwei Arbeitsgruppen an. Zum einen werde die Arbeitsgruppe LNG und Wasserstoff die Handelsbeziehungen in dem Bereich fördern und ein Diskussionsforum zu Fragen der Infrastruktur und regulatorischen Maßnahmen schaffen. Die Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Lastmanagement werde sich zum anderen mit dem Ausbau von Kapazitäten bei erneuerbaren Energien sowie verbundenen Themen wie Infrastruktur und Strommärkte befassen. Auch der Klimaschutz solle eine Rolle spielen.

Zusätzliche Lieferungen ab 2026

Zu den ab 2024 vorgesehenen Gasmengen kämen dann später zusätzliche hinzu, sagte der katarische Vizeregierungschef Mohammed bin Abdulrahman Al Thani zur Ankündigung Katars. Die Erweiterung der Förderung im Gasfeld North Dome werde 2026 abgeschlossen sein, "vielleicht sogar schon 2025". North Dome ist das weltgrößte Gasfeld, das sich Katar und der Iran unter dem Persischen Golf teilen.

Bis spätestens 2026 soll die katarische Gasförderung daraus von derzeit 77 auf 126 Millionen Tonnen LNG gesteigert werden. Bisher hatte es den Angaben zufolge geheißen, dass Katar Deutschland erst mit großen Mengen beliefern könne, wenn der Staatskonzern Qatar Energy die Förderung auf 126 Millionen Tonnen LNG jährlich erhöht habe.

Im März war Wirtschaftsminister Robert Habeck mit einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation, darunter die Vorstandschefs von RWE, Siemens Energy und ThyssenKrupp, unter anderem nach Katar gereist, um nach Alternativen für russische Gaslieferungen zu suchen. Bereits in Doha vereinbarte die beiden Ländern die Energiepartnerschaft. Die einzelnen Lieferverträge sollen deutsche Unternehmen abschließen.

Scholz trifft sich mit dem Emir Katars in Berlin

In Deutschland sollen darüber hinaus eigene LNG-Terminals etwa in Wilhelmshaven oder in Brunsbüttel errichtet werden, gestern verabschiedete der Bundestag Regelungen zu einem beschleunigten Bau. Ziel ist es, angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas zu verringern und die Lieferstruktur auf eine breitere Basis zu stellen. Im vergangenen Jahr lag der Anteil russischer Importe an den fossilen Gasimporten nach Deutschland noch bei rund 55 Prozent. Nun sind es nur noch etwas mehr als 30 Prozent - auch wegen LNG etwa aus den USA.

Nach Angaben von Bundeskanzler Olaf Scholz soll Katar für Deutschland künftig eine zentrale Rolle für die LNG-Versorgung spielen. Man wolle die Beziehungen auch im Bereich der Hochtechnologie ausbauen, sagte Scholz nach einem Treffen mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani, in Berlin. Der Emir verwies seinerseits auf einen Ausbau der Gasproduktion, die voraussichtlich ab 2026/2027 zu weiteren Lieferungen führen könne. "Aber was immer wir auch in diesem Übergangszeitraum für die Energiesicherheit in Europa tun können, werden wir tun", sagte er.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Nachrichtenradio am 20. Mai 2022 um 09:11 Uhr.