IWF-Chefin Kristalina Georgieva. | AFP

Trotz Manipulationsvorwürfen IWF-Chefin darf bleiben

Stand: 12.10.2021 08:27 Uhr

Ihr war vorgeworfen worden, sie habe einen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zugunsten Chinas manipuliert. Der Exekutivrat hat sich dennoch hinter IWF-Chefin Kristalina Georgiewa gestellt.

Acht Mal hat der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) getagt, nun hat er Direktorin Kristalina Georgiewa sein "volles Vertrauen" ausgesprochen. Das erklärte das Gremium gestern Abend. Der 24-köpfige Exekutivrat, in dem die IWF-Mitgliedstaaten beziehungsweise Anteilseigner vertreten sind, hatte zuletzt am Freitag, Sonntag und gestern bis in den Abend über die Vorwürfe gegen Georgiewa beraten.

Länderranking beeinflusst?

Georgiewa wurde vorgeworfen, in ihrem vorigen Spitzenposten bei der Weltbank ein wichtiges Länderranking zugunsten Chinas beeinflusst zu haben. 2017 soll sie Druck auf Mitarbeiter ausgeübt haben, um ein Abrutschen Chinas im sogenannten "Doing Business"-Ranking der Weltbank zu verhindern, wie im September eine Untersuchung durch eine von der Weltbank beauftragte Anwaltskanzlei ergab. Nach den Änderungen konnte sich China demnach auf Rang 78 halten - ohne das Einschreiten des Managements wäre das Land auf Rang 85 abgesackt. Die 68-jährige Bulgarin, eine frühere EU-Kommissarin, steht seit zwei Jahren an der Spitze des IWF. Sie hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Laut einem Untersuchungsbericht wollten offenbar Mitarbeiter des damaligen Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim und Georgiewa Peking wegen einer bevorstehenden wichtigen Kapitalerhöhung für die Weltbank nicht vergraulen. Nach der Änderung der Daten soll Georgiewa dem zuständigen Referatsleiter mit der Aussage, dieser habe sich um den Multilateralismus verdient gemacht, gedankt haben. Auch bei der Beurteilung des Geschäftsklimas anderer Länder soll es in dem Bericht teils Unregelmäßigkeiten gegeben haben.

"Keine Basis für einen Wechsel"

US-Finanzministerin Janet Yellen, die den größten IWF-Anteilseigner vertritt, erklärte, sie habe mit Georgiewa über die ernsthaften Vorwürfe gesprochen. Die USA sähen ohne weitere direkte Beweise zu Georgiewas Rolle aber "keine Basis für einen Wechsel in der Führung des IWF".

Für die in Washington ansässigen Organisationen gehört die unabhängige und unpolitische Erhebung und Zusammenstellung internationaler Daten zum Kerngeschäft. Die Daten der Organisationen sind häufig auch eine Grundlage für weitreichende Entscheidungen, etwa wenn es um Hilfsgelder geht. Die Weltbank teilte inzwischen mit, das viel zitierte Ranking abzuschaffen. Für die Weltbank und den IWF ist die angebliche Manipulation von Daten ein schwerer Vorwurf.

Jahrestagung von IWF und Weltbank entlastet

Folgenlos bleiben die Spekulationen aber wohl nicht. Insbesondere die USA wollen "proaktive Schritte" einleiten, "um die Integrität der Datenerhebung und die Glaubwürdigkeit des IWF zu stärken", wie Yellen sagte. Das Finanzministerium werde die Aufarbeitung genau verfolgen.

Die Entscheidung, an der IWF-Chefin festzuhalten, nimmt nun auch Druck von einer bereits laufenden Jahrestagung von IWF und Weltbank. Das Treffen von Finanzministern, Zentralbankern und Vertretern aus Finanzwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit findet in dieser Woche statt - wegen der Pandemie aber nur teilweise in Washington. Georgiewa etwa moderierte gestern bereits eine Veranstaltung mit UN-Generalsekretär António Guterres.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Oktober 2021 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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