Taliban-Kämpfer stehen in Kabul für ein Foto zusammen. | dpa

Programme eingefroren Taliban ohne Zugang zu IWF-Geldern

Stand: 19.08.2021 09:31 Uhr

Der Internationale Währungsfonds hat den Zugang Afghanistans zu Hilfskrediten und weiteren Ressourcen ausgesetzt. Die USA frieren Afghanistans Währungsreserven ein. Den Taliban drohen ernste Geldsorgen.

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat der Internationale Währungsfonds (IWF) den Zugang der Machthaber in Kabul zu IWF-Ressourcen wegen der unsicheren politischen Lage ausgesetzt. "Derzeit herrscht innerhalb der internationalen Gemeinschaft Unklarheit über die Anerkennung einer Regierung in Afghanistan, was dazu führt, dass das Land keinen Zugang zu Sonderziehungsrechten (SZR) oder anderen IWF-Ressourcen hat", erklärte eine IWF-Sprecherin.  

Das Sonderziehungsrecht ist ein vom IWF eingeführtes Reserveguthaben für IWF-Mitglieder, ein Anspruch auf frei verwendbare Währungen. Damit soll die Liquidität und der finanzielle Spielraum unter den Mitgliedsländern verbessert werden.

Für Montag ist eine Zuteilung von Sonderziehungsrechten in Höhe von 650 Milliarden Dollar (560 Milliarden Euro) an alle berechtigten IWF-Mitglieder geplant. Die Taliban werden dann keinen Zugang zum afghanischen Anteil haben, der laut dem ins Ausland geflohenen Chef der afghanischen Zentralbank, Adschmal Achmady, 340 Millionen Dollar beträgt.

IWF-Kreditprogramm ausgesetzt

Auch ein 370 Millionen Dollar schweres Kreditprogramm des IWF, mit dem die Wirtschaft Afghanistans in der Corona-Krise angekurbelt werden sollte, ist damit ausgesetzt.

Laut Achmady belaufen sich die Devisenreserven der afghanischen Zentralbank auf rund neun Milliarden Dollar. Ein Großteil des Geldes befinde sich jedoch außerhalb Afghanistans, erklärte Achmady auf Twitter. Allein sieben Milliarden Dollar befänden sich bei der US-Zentralbank. Laut Achmady hätten die Taliban deshalb lediglich Zugang auf bis zu 0,2 Prozent der Währungsreserven.

Ein US-Regierungsvertreter hatte bereits am Montag erklärt, dass Zentralbankreserven der afghanischen Regierung, die in den USA liegen, den Taliban nicht zur Verfügung gestellt würden. Mehrere US-Medien haben berichtet, dass der Zugriff auf die Währungsreserven auf amerikanischen Bankkonten bereits blockiert sei.

Afghanistan auf Hilfsgelder angewiesen

Afghanistan ist als eines der ärmsten Länder der Welt stark auf Hilfsgelder angewiesen. Nach Angaben der Weltbank belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im Jahr 2020 auf 19,81 Milliarden US-Dollar, davon machten Hilfsgelder fast 43 Prozent aus.

Mehrere Länder haben nach der Machtübernahme der Taliban jedoch angekündigt, dass sie die Hilfsgelder einfrieren werden. Auch Deutschland, eines der wichtigsten Geberländer, stoppte seine Zahlungen. Das Ausbleiben der Hilfsgelder dürfte die Lage nochmals verschärfen, sagte Katrin Kamin, Leiterin der Trade Task Force beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), im Gespräch mit tagesschau.de.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 19. August 2021 um 10:20 Uhr.