Logo des Internationalen Währungsfonds | picture alliance / dpa

Aussichten der Weltwirtschaft IWF erwartet keine globale Rezession

Stand: 13.01.2023 08:49 Uhr

Der IWF prognostiziert ein weiteres schwieriges Jahr für die Weltwirtschaft. Dennoch hält er die globalen Konjunkturaussichten derzeit für stabil - und erwartet ein etwas schwächeres Wachstum als 2022.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht derzeit nicht von einer weiteren Eintrübung der Konjunkturaussichten für dieses Jahr aus. Seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft von 2,7 Prozent für 2023 wird der IWF voraussichtlich nicht nach unten korrigieren. "Das Wachstum wird sich 2023 weiter verlangsamen", sagte IWF-Direktorin Kristalina Georgieva vor Reportern in Washington. Für 2022 hatte der Währungsfonds vorhergesagt, dass das globale Bruttoinlandsprodukt um 3,2 Prozent zunimmt.

2023 werde ein weiteres schwieriges Jahr für die Weltwirtschaft sein, und die Inflation bleibe hartnäckig, sagte Georgieva. Aber sie rechne nicht mit aufeinanderfolgenden Herabstufungen wie im vergangenen Jahr, sofern keine unerwarteten Entwicklungen eintreten. Stattdessen geht der IWF davon aus, dass die Verlangsamung des globalen Wachstums die Talsohle erreicht und sich gegen Ende 2023 und Anfang 2024 umkehrt.

Starke Arbeitsmärkte

Die Befürchtungen hinsichtlich eines Anstiegs der Ölpreise hätten sich nicht bewahrheitet, zudem seien die Arbeitsmärkte weiterhin stark, hieß es zur Begründung. "Das Positive liegt in der Widerstandsfähigkeit der Arbeitsmärkte. Solange die Menschen beschäftigt sind, geben sie auch bei hohen Preisen Geld aus", so Georgieva. Dies liege auch daran, dass die Regierungen schnell reagiert und den Haushalten angesichts steigender Lebensmittel- und Energiepreise finanziell geholfen hätten.

Eine weltweite Rezession erwartet der IWF derzeit daher nicht. Positive Impulse verspricht sich Georgieva dabei unter anderem von China. Nachdem die Volksrepublik unlängst ihre strikte Null-Covid-Politik aufgegeben habe, könne sie einen positiven Beitrag zum weltweiten Wirtschaftswachstum leisten.

Allerdings gebe es nach wie vor große Ungewissheiten - darunter die Gefahr eines bedeutendes Klimaereignisses, einer großen Cyberattacke oder einer weiteren Eskalation des russischen Krieges in der Ukraine durch den Einsatz von Atomwaffen. "Wir befinden uns jetzt in einer Welt, die anfälliger für Krisen ist, und wir müssen offen dafür sein, dass es Risiken geben könnte, an die wir nicht einmal denken", sagte die IWF-Chefin. In den vergangenen Jahren sei das Undenkbare gleich zweimal passiert.

Die USA könnten konjunkturell "weich landen"

Die größte Volkswirtschaft der Welt, die Vereinigten Staaten, kann laut IWF in diesem Jahr eine Rezession vermeiden und eine "weiche Landung" für ihre Wirtschaft erreichen. "Es gibt einige Argumente für die Hoffnung, dass die USA nicht in eine Rezession fallen werden", sagte Georgieva. "Selbst wenn es sich technisch gesehen um eine Rezession handelt, glaube ich, dass es eine sehr milde Rezession sein wird."

Die US-Arbeitsmärkte seien stabil und die Verbrauchernachfrage trotz der Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation stark. Es habe eine gesunde Verlagerung stattgefunden weg von überschüssigen Warenkäufen, die die Preise unter Druck gesetzt hätten, zurück zur Nachfrage nach Dienstleistungen.

Mehr soziale Spannungen?

Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage befürchtet Georgieva derweil eine weitere Zunahme sozialer Spannungen weltweit. "Wir haben erst den 12. Januar", und schon jetzt seien deutliche Spannungen aus unterschiedlichen Gründen in Brasilien, Peru, Bolivien, Kolumbien und Großbritannien sichtbar, sagte die IWF-Chefin. Wenn sich die derzeitige wirtschaftliche Lage auf die Arbeitsmärkte auswirke, könnten weitere hinzukommen.

Georgieva verwies zudem erneut auf die Gefahr, dass die Schuldenlast vieler Länder angesichts steigender Zinsen dramatisch wachse. Der Währungsfonds warnt bereits seit Monaten, dass etwa 60 Prozent der Schwellen- und Entwicklungsländer Gefahr laufen, in eine ernste Schuldenkrise zu stürzen. Deswegen müsse bereits im Februar ein hochkarätiges Treffen zur Umschuldung mit Vertretern der größten Kreditgeber und der Privatwirtschaft stattfinden, forderte bulgarische Ökonomin.