Doppeldeckerbusse in London | picture alliance / imageBROKER

Steigende Preise Britische Inflation auf 40-Jahres-Hoch

Stand: 18.05.2022 12:45 Uhr

Großbritannien hat unter den großen Industriestaaten mit besonders hoher Inflation zu kämpfen: Im April stiegen die Verbraucherpreise um neun Prozent. Die Menschen im Vereinigten Königreich trifft das im Alltag hart.

Die Verbraucherpreise in Großbritannien haben sich im April so stark verteuert wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. Wie das nationale Statistikamt ONS heute mitteilte, stieg die Inflationsrate im vergangenen Monat auf neun Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Das ist die höchste Rate seit Beginn der neuesten Aufzeichnungen im Jahr 1997. Durch Rückrechnung kommen die ONS-Statistiker zu dem Schluss, dass die Inflationsrate wohl zuletzt um das Jahr 1982 herum höher gewesen sein muss. Im März 2022 hatte die Rate noch bei sieben Prozent gelegen.

Außenministerin alarmiert über "extrem hohe" Inflation

Preisauftrieb kam im April vor allem durch teurere Elektrizität, teureres Gas und Kraftstoffe wie Benzin. Auch die Preise für Lebensmittel und Gebrauchtwagen hatten erneut deutlich angezogen.

Außenministerin Liz Truss äußerte sich bei Sky News alarmiert: "Wir sind in einer sehr, sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage." Die konservative Politikerin sprach von ernstem Gegenwind angesichts des globalen Problems sehr stark steigender Preise und nannte die Inflation in Großbritannien "extrem hoch".

Die rasant steigenden Lebenshaltungskosten treffen die Bürger auf der Insel laut einer Umfrage des Instituts Ipsos hart: Demnach drehen zwei von drei Briten die Heizung ab, um Kosten einzusparen. Mehr als ein Viertel der Befragten gab sogar an, wegen ihres knappen Budgets Mahlzeiten auszulassen.

Bereits vier Zinserhöhungen der Bank of England

Die Notenbank in London stemmt sich derweil mit Zinserhöhungen gegen die hochschießende Inflation. Erst Anfang Mai hatte die Bank of England den Leitzins zum vierten Mal binnen nur sechs Monaten auf nunmehr 1,0 Prozent angehoben - den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2009.

Zudem warnte sie davor, dass die Inflation im Vereinigten Königreich in diesem Jahr auf zehn Prozent steigen dürfte. Auch der weitere Konjunkturausblick fällt trübe aus: Im Laufe des Jahres dürfte Großbritannien in die Rezession rutschen. Für das kommende Jahr rechnen die britischen Währungshüter insgesamt mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung, 2024 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnieren.

Wann zieht die EZB nach?

Mit ihren beherzten Zinserhöhungen gehört die Bank of England im internationalen Vergleich zu den Vorreitern im laufenden Zinserhöhungszyklus. Auch die US-Notenbank hat den Kampf gegen die rasant steigenden Inflationsraten aufgenommen und ihren Leitzins jüngst um einen halben Prozentpunkt auf die neue Zinsspanne von 0,75 bis 1,00 Prozent angehoben. Marktbeobachter rechnen mit weiteren Zinserhöhungen durch die Federal Reserve (Fed); zum Jahresende dürfte der Leitzins in den USA bei 2,75 bis 3,0 Prozent liegen.

Eurozonen-Inflation stagniert auf Rekordhoch

Damit dürfte der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) weiter steigen, dem Beispiel von Bank of England und Fed zu folgen und ihre Zinsen ebenfalls zu erhöhen. Bislang zögern die Euro-Währungshüter um Präsidentin Christine Lagarde zwar noch, hat aber bereits eine mögliche Zinswende im Juli in Aussicht gestellt. Einige Ökonomen fürchten, dass es dann womöglich zu spät sein dürfte und die EZB die Kontrolle über die Inflationserwartungen bereits verloren habe.

In den Ländern mit der Gemeinschaftswährung Euro stagnierte die Teuerung im April auf hohem Niveau. Wie das Statistikamt Eurostat bekanntgab, stiegen die Preise gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,4 Prozent. So hoch war die Inflation im europäischen Währungsraum nie zuvor in diesem Monat. Das mittelfristige Inflationsziel der EZB von zwei Prozent ist somit nach wie vor deutlich überschritten.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 16. Mai 2022 um 05:25 Uhr und das ARD-Mittagsmagazin am 18. Mai 2022 ab 13:00 Uhr.