Rauch steigt aus dem Schornstein eines Zementwerks in Beckum auf | picture-alliance / dpa

CO2-Ausstoß und Lieferketten Was die Industrie über ihre Emissionen weiß

Stand: 12.11.2021 10:14 Uhr

Viele Unternehmen wollen weniger CO2 verursachen. Doch oft ist ihnen gar nicht bekannt, welche Emissionen an welcher Stelle einer Lieferkette entstehen. Daten-Netzwerke könnten da helfen.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Der deutsche Autohersteller BMW hat sich zahlreiche Umweltziele gesteckt - unter anderem die Reduktion von CO2 bei der Produktion der Autos. Bis 2030 sollen bei der Herstellung 20 Prozent weniger CO2 anfallen als 2019.

Dabei sind die Lieferketten in der Autoindustrie komplex, laufen durch viele Länder und sind nur schwer nachzuvollziehen. Wie also können die Konzerne überhaupt den CO2-Verbrauch für die Produkte vollständig berechnen? Der deutsche Software-Konzern SAP hat gemeinsam mit mehreren Dienstleistern und Herstellern, darunter BMW, ein Netzwerk aufgebaut, um einen solchen Datenaustausch zu ermöglichen.

"Wir haben bei unseren Kunden schon seit Jahren Systeme im Einsatz, die ihnen helfen, die Materialflüsse und die Finanzströme zu managen", sagt Daniel Schmid, bei SAP verantwortlich für Nachhaltigkeit. "Und wenn wir jetzt dort in den Datenmodellen Nachhaltigkeitskriterien wie die CO2-Emission einbetten, dann bekommt der Kunde die volle Transparenz über seine ganze Wertschöpfungskette."

CO2-Bilanz für jedes Produkt

Auf der Klimakonferenz hat dieses Netzwerk, Catena-X genannt, vorgestellt, wie ein solcher Datenaustausch funktionieren kann. Schon bald werden Hersteller also auf Knopfdruck nicht nur die Kosten einer Schraube oder eines Bauteils ermitteln können, sondern auch den CO2-Aussstoß, der für die Herstellung eben dieses Teils nötig war. 

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace befürwortet solche Bestrebungen der Industrie. "Vom Prinzip her ist das genau der richtige Weg", sagt Viola Wohlgemuth, Expertin für Ressourcenschutz. "Transparenz ist absolut notwendig und der kritische Punkt, um die Treibhausgasemissionen in den Lieferketten zu bemessen und eben zu reduzieren."

Eine solche Lösung wäre für viele Branchen hilfreich, auch wenn es darum geht, dem Kunden zu zeigen, wie nachhaltig beziehungsweise CO2-arm ein Produkt entstanden ist - zum Beispiel durch eine Angabe über den CO2-Abdruck auf dem jeweiligen Produkt. "Viele meiner Counterparts, die Nachhaltigkeit in den Unternehmen verantworten, sagen mir: Ich bin gar nicht in der Lage, die Daten heute so zu haben zum Zeitpunkt der Entscheidung, dass ich es danach steuern kann. Ich bin ja froh, dass wir uns jetzt als Unternehmen verpflichtet haben, ambitionierte Ziele bekannt zu geben, aber ich kann es noch gar nicht danach managen", sagt Daniel Schmid von SAP.

Textilindustrie als großer Emittent

Die Voraussetzung für korrekte Werte sind Standards und Transparenz bei allen beteiligten Firmen - und die Bereitschaft zur Kooperation. Greenpeace fordert deswegen gesetzliche Vorgaben. "Eine Transparenz in den Lieferketten wäre wirklich ein Game-Changer im ganzen Klimaschutz", sagt die Greenpeace-Expertin Wohlgemuth. "In der Textilindustrie zum Beispiel, der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen weltweit, fallen ganze 85 Prozent dieser Treibhausgase in der Produktion an."

Der Großteil dieser Emissionen könnte mit bekannten Methoden verhindert werden - und das zu niedrigen Kosten. Eine nachhaltig produzierte Hose beispielsweise würde - so zeigen es Studien - gerade mal einen Euro mehr kosten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2021 um 11:41 Uhr.