Kundinnen stehen in einem Supermarkt in Jakarta vor einem Palmöl-Regal. | REUTERS

Palmöl aus Indonesien Nichts gewonnen mit dem Exportstopp?

Stand: 03.05.2022 08:22 Uhr

Indonesien deckt zwei Drittel des weltweiten Palmöl-Bedarfs - weil es im Land für viele unbezahlbar wurde, ist der Export nun gestoppt. Was die Bevölkerung freut, könnte der Wirtschaft und dem Klima weiter schaden.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

In Öl frittierter Tofu oder Tempeh, eine andere Sojabohnenvariante, Bratreis mit Gemüse, Fleischbällchen: Die indonesische Küche setzt stark auf Speiseöl. Die Zutat ist unentbehrlich vor allem in ärmeren Bevölkerungsschichten: "Ich hoffe, dass die Ölpreise nicht weiter steigen, Herr Jokowi - bitte beachten Sie die armen Menschen hier, sie kommen nicht mehr klar, wenn die Preise weiter steigen", mit diesen Worten richtet sich eine Bratreis-Verkäuferin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo, genannt Jokowi.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Weil der Export von Palmöl für Indonesien so unglaublich erfolgreich ist - knapp zwei Drittel des weltweiten Palmölbedarfs werden aus Indonesien gedeckt - ist das Lebensmittel im Lande selbst immer teurer geworden. Die Hersteller horteten Vorräte, die für den Export gedacht waren, die Preise für das vorhandene Speiseöl schossen in die Höhe. Tausende Indonesier und Indonesierinnen gingen in den vergangenen Wochen auf die Straße, um für bezahlbare Lebensmittel zu demonstrieren.

Zuspruch von den Garküchenbetreibern

Und Präsident Jokowi reagierte - mit einem Exportstopp. "Ich werde die Auswirkung dieser Politik genau beobachten, sodass wir im Land genügend Speiseöl zur Verfügung haben", verkündete er. Das Exportverbot soll nur solange gelten, bis sich die Preise stabilisiert haben - mehr als 90 Eurocent soll der Liter Speiseöl nicht kosten, sagt Indonesiens Regierung.

Die meisten Indonesier befürworten den Schritt und hoffen auf eine schnelle Wirkung: "Ich finde seine Politik gut, so können sich die Ölpreise stabilisieren", sagt ein Verkäufer von frittiertem Tofu.

Eine Köchin wendet eine Banane in heißem Bratfett. | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Indonesiens Garküchen setzen auf Palmöl: Eine Köchin in Jakarta wendet eine Banane in heißem Bratfett. Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Der Rest der Welt aber geriet in Panik. Palmöl ist in unzähligen Produkten enthalten: Duschgel, Schokocreme, Plastikspielzeug, Putzmittel, Kekse, Instantnudeln. Sein Konsum geht weiter über das bloße Kochen hinaus. Und all diese Produkte drohen durch den Exportstopp von Palmöl teurer zu werden.

Besonders südasiatische Länder, unter anderem Pakistan, Bangladesch und Indien, beziehen den Großteil ihres Palmöls aus Indonesien. Sie haben, wie viele andere Länder auch, ein Problem, den Bedarf durch andere Speiseöle zu decken - denn der Markt für Sonnenblumenöl ist durch Russlands Krieg in der Ukraine ebenfalls stark beeinträchtigt.

Probleme für Produzenten - und Landeswährung

Die Konsumenten in Indonesien können sich möglicherweise freuen über günstigeres Speiseöl, aber die Produzenten leiden unter dem Schritt. Ein Ölbauer befürchtet, dass er pleite geht und weist darauf hin, dass das rohe Palmöl nicht lange lagerbar ist. Wenn es nicht exportiert werden darf, bekommen die Produzenten Probleme. 

Zudem sehen Experten die wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Land auch kritisch - denn der Export von Palmöl bringt Millionen von US-Dollar ins Land. Fallen diese Devisen weg, "greift es die indonesische Währung an, es wird das Finanzsystem Indonesiens destabilisieren und unsere Währungsreserven auf lange Sicht beschädigen", befürchtet Bhima Yudhistira, Direktor des Zentrums für Wirtschafts- und Rechtsstudien Celios.

Indonesien kann seine Ölkrise also nicht einfach auslagern. Und wer hofft, dass es irgendeine positive Wirkung von einem Palmöl-Bann gibt, sollte bedenken: Andere Speiseöle bedürfen größerer Anbauflächen. Zudem wägen einige Länder Afrikas und Indien ab, ob sie in den Palmöl-Anbau einsteigen wollen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2022 um 11:43 Uhr.