Ein mit Steinkohle befeuertes Kraftwerk hinter Stromleitungen | dpa

Trotz höherer Kohle-Nachfrage Geringerer Anstieg des CO2-Ausstoßes

Stand: 19.10.2022 14:45 Uhr

In diesem Jahr dürfte der Anstieg der CO2-Emissionen deutlich geringer ausfallen als noch 2021. Maßgeblich verantwortlich dafür sind sowohl der Ausbau der Erneuerbaren wie auch der stärkere Einsatz von Elektrofahrzeugen.

In diesem Jahr dürfte der weltweite Anstieg der CO2-Emissionen deutlich geringer ausfallen als noch im vergangenen Jahr. Zwar ist die Nachfrage nach Kohle weltweit gestiegen, der Ausbau der erneuerbaren Energien und Elektrofahrzeuge überwiegt jedoch die Nachfrage nach Kohle. Die globalen Kohlendioxid-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe werden in diesem Jahr daher voraussichtlich nur um knapp ein Prozent steigen, heißt es in einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA), der heute veröffentlicht wurde.

Die CO2-Emissionen werden in diesem Jahr danach um fast 300 Millionen Tonnen auf 33,8 Milliarden Tonnen ansteigen. Dies sei ein weitaus geringerer Anstieg als der Sprung von fast zwei Milliarden Tonnen im Jahr 2021, so die Agentur. Ohne den Einsatz emissionsfreier Technologien und E-Autos wäre der Anstieg des CO2-Ausstoßes laut IEA aber mehr als dreimal so hoch wie nun prognostiziert.

Anstieg bei Kohle nur vorübergehend?

Der Anstieg in diesem Jahr ist auf die Stromerzeugung und den Luftverkehr, der sich seit dem Tiefpunkt der Coronakrise erholt hat, zurückzuführen. Dieser Anstieg hätte mit möglicherweise einer Milliarde Tonnen noch viel größer ausfallen können, da die Kohlenachfrage in vielen Ländern aufgrund der durch den Krieg in der Ukraine gestiegenen Gaspreise in die Höhe geschossen ist. Der Einsatz von erneuerbaren Energien und Elektrofahrzeugen hat den Anstieg der Emissionen eingedämmt.

"Die durch den Einmarsch Russlands in der Ukraine ausgelöste globale Energiekrise hat viele Länder dazu veranlasst, andere Energiequellen zu nutzen, um die von Russland zurückgehaltenen Erdgaslieferungen zu ersetzen", sagte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. "Die ermutigende Nachricht ist, dass Solar- und Windenergie einen Großteil der Lücke füllen, während der Anstieg bei der Kohle relativ gering und vorübergehend zu sein scheint", fügte er hinzu. Das bedeute, dass die CO2-Emissionen in diesem Jahr weitaus weniger schnell wachsen als manche befürchtet haben, so Birol.

Ohne Erneuerbare 600 Millionen Tonnen CO2 mehr

Dem IEA-Bericht zufolge führten Photovoltaik und Windkraft in diesem Jahr zu einem Anstieg der weltweiten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um mehr als 700 Terawattstunden (TWh), dem größten jährlichen Zuwachs seit Beginn der Aufzeichnungen. Ohne diesen Anstieg wären die weltweiten CO2-Emissionen in diesem Jahr um mehr als 600 Millionen Tonnen höher gewesen.

Trotz Dürreperioden in mehreren Regionen ist die weltweite Wasserkraftproduktion im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und trägt zu mehr als einem Fünftel des erwarteten Wachstums bei der erneuerbaren Energie bei.

Die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie wächst laut IEA stärker als jede andere Energiequelle. Kohle folgt voraussichtlich dieses Jahr auf den zweiten Platz. Die CO2-Emissionen aus der Kohleverstromung werden 2022 voraussichtlich um zwei Prozent oder 200 Millionen Tonnen zunehmen, angeführt von den Anstiegen in Asien.

CO2-Rückgang in EU trotz höheren Kohleverbrauchs

Die CO2-Emissionen der Europäischen Union werden in diesem Jahr trotz höherer Kohleemissionen dagegen voraussichtlich zurückgehen. Der Anstieg des Kohleverbrauchs in Europa wird voraussichtlich nur vorübergehend sein, da für das nächste Jahr eine starke Pipeline neuer Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien mit einer zusätzlichen Kapazität von rund 50 Gigawatt prognostiziert wird.

In China werden die CO2-Emissionen im Jahr 2022 aufgrund des schwächeren Wirtschaftswachstums, der Auswirkungen der Dürre auf die Wasserkraft und des Einsatzes von Solar- und Windenergie voraussichtlich unverändert bleiben.