Immobilienentwicklung durch die Evergrande Group in Huai 'an, China | picture alliance / Zhao Qirui /

Hochverschuldeter Immobilienriese Wachsende Angst vor Evergrande-Krise

Stand: 20.09.2021 11:05 Uhr

Die Aktien des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande sind weiter abgestürzt - was die Börsen nicht nur in Asien belastet. Das Unternehmen spricht von Fehlverhalten seiner Manager, die Regierung hält sich bedeckt.

Die Krise des chinesischen Immobilienriesen Evergrande hat am Montag zu schweren Verlusten an der Hongkonger Börse geführt. Der Hang-Seng-Index büßte knapp vier Prozent ein und liegt mit 24.052 Punkten auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2020. Die Titel von Evergrande stürzten um weitere 13 Prozent ab. Seit Jahresbeginn liegt das das Minus inzwischen bei mehr als 80 Prozent.

Nun wächst die Angst, dass sich die Krise auch auf weitere Immobilienkonzerne ausweiten könnte - auch andere chinesische Finanztitel lagen tief im Minus. Wegen eines Feiertags gab es allerdings nur ein dünnes Marktumfeld, da die Märkte in Tokio, Shanghai und Seoul heute geschlossen blieben.

Konzern will "strenge Strafen" verhängen

Am Wochenende räumte Evergrande das Fehlverhalten mehrerer hochrangiger Manager ein. Sechs Führungskräfte haben demnach Anlageprodukte des Unternehmens illegalerweise im Voraus zu Geld gemacht. Die Angelegenheit werde sehr ernst genommen, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Der Konzern verlange von den Managern eine Rückzahlung der eingelösten Gelder und werde "strenge Strafen" verhängen.

Normalerweise dürfen die firmeneigenen Anlagen erst nach einer bestimmten Haltezeit eingelöst werden. Evergrande steckt mitten in einer existenzbedrohenden Krise. Jahrelang häufte der Immobilienkonzern immer mehr Schulden an und schüttete gleichzeitig großzügig Dividenden aus.

Hunderte Bauprojekte liegen brach

Außerdem bot Evergrande Anlegern am Wochenende an, sie mit Immobilien zu entschädigen. Das Angebot richtet sich an Käufer von Vermögensverwaltungsprodukten des Unternehmens. Man habe mit diesem Vorgehen bereits begonnen, hieß es von der zuständigen Konzernsparte.

Derzeit warten bis zu 1,2 Millionen Immobilienkäufer auf die Fertigstellung ihrer Wohnungen, die bereits bezahlt sind, so das Analysehaus Redd Intelligence. Fast 800 Projekte des Entwicklers sind nicht fertig gebaut, 500 davon liegen wegen Zahlungsstreitigkeiten derzeit brach.

Grundstücksverkauf als Ausweg?

Trotz der Zahlungsschwierigkeiten zögert der Immobilienriese nach Informationen des "Handelsblatts" mit dem Verkauf lukrativer Grundstücke in Boom-Regionen wie Shenzhen. So soll Gründer und Mehrheitseigner Xu Jiayin auf einer internen Krisensitzung die Grundstücksreserven als "größte, magische Waffe der Evergrande-Gruppe und den letzten Vermögenswert" bezeichnet haben - so zitiert ihn das Wirtschaftsmagazin "Caixin". Ein Verkauf insbesondere der Filetgrundstücke könnte die akute Geldnot lindern, allerdings spekuliert der Konzern offenbar auf höhere Preise.

Evergrande hat Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden US-Dollar (256 Milliarden Euro) angehäuft. Experten sehen einen Zahlungsausfall als immer wahrscheinlicher an. Zuletzt hatten mehrere Ratingagenturen das Unternehmen heruntergestuft. In dieser Woche sind mehrere Zinszahlungen fällig, ein Zahlungsausfall wird immer wahrscheinlicher. Unklar ist, ob die chinesische Regierung den Konzern retten wird.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. September 2021 um 06:50 Uhr in einem Interview.