Holzstämme | picture alliance/dpa

Holzmangel in Deutschland Was fehlt, wurde exportiert

Stand: 05.09.2022 08:15 Uhr

Die Holzindustrie ist in Krisenstimmung: Immer mehr Holz werde nach China exportiert, obwohl der Rohstoff hier schon knapp sei. Und in den Wäldern darf weniger Holz geschlagen werden.

Von Jens Eberl, WDR

Andreas Decker ist auf China momentan nicht gut zu sprechen. Denn die Konkurrenz aus Fernost macht dem Geschäftsführer des Massivholzmöbel-Herstellers Möbelwerke Decker aus Borgentreich in Ostwestfalen gerade das Leben schwer. Zu viel Holz aus Deutschland werde gerade nach China exportiert.

Jens Eberl

"In der Zeit von 2021 bis 2022 wurden 39,3 Prozent Eichenrundholz an China verkauft, im gleichen Zeitraum wurden 24 Prozent weniger Eiche in nachhaltig bewirtschafteten deutschen Forstgebieten geschlagen", rechnet Decker vor. "Das Verhalten des chinesischen Marktes ist so problematisch, dass wir unsere Werte als Hersteller und als Arbeitgeber bedroht sehen und viel investieren müssen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können."

Auch ökologisch und ökonomisch sei die Lage problematisch. Heimisches Holz werde als Rundholz nach Asien verschifft, dort verarbeitet und dann als Holzwerkstoff in Plastik verpackt wieder zurück verschifft - mit einem großen CO2-Abdruck im Gepäck.

Schwierigkeiten bei Sägewerken

Laut einer Statistik des Verbands der Möbelindustrie sind im vergangenen Jahr 146.000 Kubikmeter Eichenholz in den Export gegangen. Bei Buchenholz seien es mit 255.000 von insgesamt 560.000 Kubikmetern sogar fast 46 Prozent der Ausfuhren. Der Verband beklagt einen enormen Abfluss von Material von Europa nach Asien. Ein Problem für die Branche.

Die mangelnde Verfügbarkeit von Holz stellt für die Industrie momentan die größte Herausforderung dar, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Säge- und Holzindustrie, Julia Möbus. In den vergangenen Monaten sei es daher zu Produktionskürzungen gekommen. "Die Sägewerke haben bisher nie dagewesene Probleme, Laubholz aus regionalen Wäldern für die heimische Verarbeitung zu bekommen", beklagt sie.

Ein großes Problem seien bei der Versorgung mit heimischem Laubholz auch die zunehmenden Nutzungsverbote in staatlichen Wäldern. Hessen habe beispielsweise untersagt, Buchen mit einem Alter von mehr als 100 Jahren aus besonderen Erhaltungsgebieten für die Verarbeitung zur Verfügung zu stellen. "Wird die Waldpflege und Holzbereitstellung auf größeren Flächen verboten, steht immer weniger Holz zur Verarbeitung zur Verfügung, um das heimische und internationale Käufer konkurrieren", so Möbus.

EU beschränkt den Export praktisch nicht

Die Sprecherin verweist auf die jüngste verbandsinterne Umfrage unter den Laubholzbetrieben im Mai. Danach berichten rund zwei Drittel der befragten Unternehmen von einer schlechten Versorgungssituation mit Laubholz - das sei der Negativrekord seit 2014.

Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie, erklärt, dass die Europäische Union momentan Handelsverzerrungen relativ schutzlos ausgeliefert sei. "Denn im Bereich von Holzprodukten ebenso wie von verarbeiteten Natur- und Industrieerzeugnissen verfolgt die EU traditionell eine Philosophie offener Märkte. Die EU ist weltweit praktisch der einzige große Handelsblock ohne nennenswerte Exportbeschränkungen für Rohmaterialien", so Ohnesorge.

Droht wegen des Holzmangels Kurzarbeit?

Andreas Decker bringt die Sorgen der Industrie auf den Punkt: "Wenn sich die Beschaffungsmarktsituation bezogen auf den Rohstoff Holz nicht verändern, bedeutet das für die Möbelindustrie Produktionsschwierigkeiten mit großen wirtschaftlichen Folgen." Kunden müssten sich dann auf extrem lange Lieferzeiten einstellen. "Wenn kein Material da ist, können wir auch keine Möbel fertigen und den Absatzmarkt nicht bedienen", so Decker.

Julia Möbus blickt ebenfalls pessimistisch in die Zukunft. "Wenn die Betriebe nicht mehr ausreichend Holz aus den heimischen Wäldern verarbeiten können, werden sie ihre Produktion zwangsläufig einschränken müssen." Es seien überwiegend kleine und mittlere Betriebe, die Deutschland Laubholz verarbeiteten. Da könne "der Holzmangel schnell zur Kurzarbeit führen".