Schild mit der Aufschrift Made in Germany | picture alliance / Karl-Josef Hi

Hermes-Bürgschaften Bund stoppt Garantien für Russland-Exporte

Stand: 25.02.2022 11:28 Uhr

Die Bundesregierung hat Garantien für Exporte nach Russland und Investitionen deutscher Firmen im Land ausgesetzt. Der Stopp der Hermes-Bürgschaften erschwert die Geschäfte deutscher Firmen in Russland.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Bundesregierung Garantien für Exporte deutscher Firmen nach Russland und für Investitionen in dem Land gestoppt. "Die Bewilligung von Hermes-Bürgschaften und Investitionsgarantien für Russland ist bis auf Weiteres ausgesetzt", teilte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministerium mit. Dies sei nicht Teil der EU-Sanktionen gegen Russland, sondern sei von Deutschland nach Abstimmung zwischen den Ministerien beschlossen worden.

Mit Hermes-Bürgschaften werden Ausfuhren deutscher Firmen in Länder abgesichert, in denen ein erhöhtes Risiko für einen Zahlungsausfall besteht. Sie sind aber auch eine Absicherung gegen die Folgen kriegerischer Ereignisse oder gegen staatliche Beschlagnahmung von Exportgütern. Insbesondere der Mittelstand wird durch solche Kreditgarantien unterstützt, die die Bundesrepublik schon seit 1949 Unternehmen gewährt. Ähnliches gilt für Direktinvestitionen von Firmen in Staaten, in denen das Risiko über Investitionsgarantien abgefedert wird.

Bund trägt bei Bürgschaften Großteil des Risikos

Das Geld kommt im Schadensfall vom Bund, der mit den Hermes-Bürgschaften den größten Teil des Risikos bei einem Zahlungsausfall übernimmt. Auf die geschädigten Exporteure entfällt lediglich eine Selbstbeteiligung von fünf bis 15 Prozent. Wie das "Handelsblatt" berichtete, erhielten deutsche Firmen, die Waren nach Russland exportierten, allein im ersten Halbjahr 2021 neue Deckungszusagen in Höhe von 820 Millionen Euro.

Das Aussetzen der Hermes-Bürgschaften erschwert das Russland-Geschäft vieler deutscher Firmen nun erheblich. Das gilt auch für Güter, die nicht auf der europäischen Sanktionsliste stehen. Fast die Hälfte der ursprünglich 6300 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung hat sich allerdings seit 2011 bereits vom russischen Markt zurückgezogen. Nach Angaben der Auslandshandelskammer (AHK) sind aktuell noch etwa 3650 deutsche Unternehmen vor Ort aktiv. Diese Unternehmen beschäftigten 2019 mehr als 277.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Deutsche Firmen mit Milliardeninvestitionen in Russland

Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von fast 27 Milliarden Euro nach Russland geliefert. Maschinen (5,8 Milliarden Euro), Kraftwagen und Kraftwagenteile (4,4 Milliarden) sowie chemische Erzeugnisse (3,0 Milliarden) waren dabei die wichtigsten Erzeugnisse. Durch den Trend zur Lokalisierung stiegen in den vergangenen Jahren die deutschen Direktinvestitionen in Russland. Sie betrugen rund 25 Milliarden Euro. Deutsche Unternehmen gehören damit zu den aktivsten ausländischen Investoren in Russland.

Neben dem hohen Modernisierungsbedarf des Landes und dem positiven Image der Marke "Made in Germany" hätten sich die vergleichsweise hohen Gewinnmargen für deutsche Unternehmen als verlockend erwiesen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Auch der erweiterte Binnenmarkt der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) mit 180 Millionen Verbrauchern gehörte demnach zu den Argumenten für ein dortiges Engagement.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2022 um 09:00 Uhr.