Der britische Abenteurer Sir David Hempleman-Adams segelt unter der Tower Bridge | FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/REX

Deutsche Handelspartner Großbritannien verliert an Bedeutung

Stand: 10.02.2022 10:19 Uhr

Nach dem Brexit schrumpft der Handel zwischen Großbritannien und Deutschland immer weiter. In der Rangliste der wichtigsten Handelspartner könnte das Vereinigte Königreich sogar hinter Tschechien fallen.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Großbritannien hat sich im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt. Selbst die Erholung der globalen Wirtschaft von der Corona-Pandemie war 2021 keine Hilfe für den deutsch-britischen Handel, wie eine Auswertung der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) ergab.

"Während das Handelsvolumen mit allen anderen Partnern der Top Ten im Corona-Rebound fast ausschließlich zweistellig gewachsen ist, schrumpfte der Handel mit dem Vereinigten Königreich sogar um 4,6 Prozent", sagte GTAI-Experte Marc Lehnfeld der Nachrichtenagentur dpa.

Handel entwickelt sich gegen den Trend

Damit entwickelte sich der Handel mit Großbritannien entgegengesetzt zum allgemeinen Trend. Deutschland hatte im vergangenen Jahr seine Ausfuhren im Vergleich zu 2020 insgesamt um 14 Prozent auf den Rekordwert von 1,38 Billionen Euro verbessert und damit sogar das Niveau des Vorkrisenjahres 2019 übertroffen.

In der Rangliste der wichtigsten Handelspartner Deutschlands rutschte Großbritannien vom siebten auf den zehnten Platz ab. Laut Lehnfeld könnte das Land sogar aus den "Top Ten" der wichtigsten deutschen Handelspartner rutschen, falls das Statistische Bundesamt seine Daten für den Dezember noch entsprechend revidiert. Der britische Vorsprung auf Tschechien sei derzeit nur marginal. "Da sich der deutsch-britische Handel schon seit Jahren schleppend entwickelt, ist der zehnte Platz eher als Gnadenfrist zu verstehen", sagte Lehnfeld. "Der deutsch-tschechische Handel entwickelt sich im Vergleich besser."

Noch mehr Hemmnisse zu erwarten

Lehnfeld erwartet weitere Probleme, die den Handel weiter hemmen könnten. Besonders betonte der Experte die zu Jahresbeginn aufgenommenen britischen Kontrollen auf EU-Importe. "Die bevorstehende letzte Stufe bei der Einführung weiterer Zollformalitäten auf Lebensmittel im Sommer wird den deutschen Export ins Königreich weiter belasten", sagte Lehnfeld.

Großbritannien ist seit Anfang 2021 nicht mehr Mitglied der EU-Zollunion und des Binnenmarktes. Zwar sichert der im letzten Moment vereinbarte Brexit-Handelsvertrag in den meisten Bereichen die Zollfreiheit. Dennoch kommt es wegen gestiegener bürokratischer Anforderungen zu Schwierigkeiten im Handel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Dezember 2021 um 08:35 Uhr und am 31. Dezember 2021 um 05:51 Uhr.