House of Parliament und Big Ben | picture alliance / Zoonar

Vereinigtes Königreich Großbritannien steht vor Rezession

Stand: 12.08.2022 15:10 Uhr

Die britische Wirtschaft ist nach einem positiven Start ins Jahr geschrumpft. Die Bank of England rechnet damit, dass das Land zum Ende des Jahres in eine schwere Konjunkturkrise rutschen könnte.

Eine besonders hohe Inflationsrate und die Folgen des Ukraine-Kriegs sowie der Pandemie lassen die Wirtschaft in Großbritannien schrumpfen. Im Juni nahm die Wirtschaftsleistung des Landes im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent ab. Von April bis Juni ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent zurück. Das geht aus den aktuellen Schätzungen das Statistikamts (ONS) hervor, die heute veröffentlicht wurden.

Damit fiel der Rückgang im zweiten Quartal nicht so deutlich aus wie erwartet. Ökonomen hatten ein Minus von 0,3 Prozent prognostiziert nach einem Plus von 0,8 Prozent zu Jahresbeginn. Finanzminister Nadhim Zahawi wertete die Konjunkturdaten als Zeichen dafür, wie widerstandsfähig die britische Wirtschaft sei.

Notenbank erwartet Rezession

Die Bank of England ist weniger optimistisch. Die Notenbanker erwarten, dass das Land Ende des Jahres in eine Rezession abgleitet, die das gesamte kommende Jahr anhalten könnte. Es wäre die längste konjunkturelle Schwächephase auf der Insel seit der Weltfinanzkrise. Auch Suren Thiru vom Rechnungslegungsverband Institute of Chartered Accountants in England and Wales (ICAEW) ist pessimistisch: "Eine Rezession rückt für das Vereinigte Königreich näher, und das Schlimmste kommt noch."

Trotzdem hatte die britische Notenbank im Kampf gegen die hohe Inflation den Leitzins zuletzt ungewöhnlich kräftig um einen halben Prozentpunkt auf 1,75 Prozent angehoben. Angetrieben von explodierenden Energiekosten und Lieferkettenproblemen liegt die Inflationsrate im Vereinigten Königreich bereits bei 9,4 Prozent.

Inflation könnte auf 13 Prozent steigen

Und die Teuerung wird wahrscheinlich noch zunehmen. "Die Bank of England erwartet, dass die Inflationsrate infolge der absehbaren Preisanpassungen der britischen Energieversorger im Schlussquartal auf über 13 Prozent emporschießen wird", so Ökonom Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Darum rechnen Experten wie Chlench auch damit, dass die Wirtschaft zum Jahresende noch deutlicher schrumpfen wird.

Um die hohe Inflation zu kompensieren, haben viele Briten in den vergangenen Monaten bereits weniger ausgegeben. Von März bis Mai sind die Umsätze der Geschäfte laut dem britischen Einzelhandelsverband gesunken. Allerdings haben die Briten während der historischen Hitzewelle im Juli mehr Geld für Sommerkleidung und Klimaanlagen ausgegeben. Dem British Retail Consortium zufolge wuchs der gesamte Umsatz der Verbandsmitglieder - hauptsächlich große Ketten und Supermärkte - um 2,3 Prozent zum Vorjahresmonat.

Über dieses Thema berichtete NDR Info in den Wirtschaftsmeldungen am 12. August 2022 um 17:00 Uhr.