Boris Johnson und Scott Morrison im Garten der 10 Downing Street. | dpa

Nach dem Brexit Großbritannien und Australien vereinbaren Handelspakt

Stand: 15.06.2021 12:07 Uhr

Großbritannien und Australien haben sich auf ein Freihandelsabkommen verständigt. Der Deal werde für weiteres Wachstum sorgen, kündigte die Regierung in London an. Doch es gibt auch skeptische Stimmen.

Erstmals seit dem Brexit hat Großbritannien einen vollständig neu ausgehandelten Handelsvertrag vereinbart. Premierminister Boris Johnson einigte sich mit seinem australischen Kollegen Scott Morrison auf ein Freihandelsabkommen. Die Regierungschefs hätten in den vergangenen Tagen die letzten Stolpersteine aus dem Weg geräumt, sagten beide Seiten.

Schub für 3,5 Millionen Beschäftige?

Demnach würden etwa Hersteller von Autos und Whisky von Zollfreiheit profitieren, teilte die Regierung in London mit. Junge Briten unter 35 Jahren sollen mehr Freiheiten erhalten, um in Australien zu leben und zu arbeiten. Branchen mit etwa 3,5 Millionen Beschäftigten im Vereinigten Königreich erhielten einen Schub. Der Vertrag werde für weiteres Wachstum sorgen.

"Der heutige Tag stellt einen neuen Aufbruch in den Beziehungen des Vereinigten Königreichs zu Australien dar, der von unserer gemeinsamen Geschichte und unseren gemeinsamen Werten getragen wird", sagte Johnson. Der australische Handelsminister Dan Tehan bezeichnete den Deal als einen "Gewinn für Jobs, Unternehmen, Freihandel".

Eine Frau geht an einem Regal mit Whiskys vorbei. | dpa

Zollfreiheit unter anderem für Whiskey Bild: dpa

"Gute Nachrichten für beide Länder"

2020 betrug der Umfang des britisch-australischen Handels 13,9 Milliarden Pfund - rund 16,15 Milliarden Euro. Das Vereinigte Königreich ist der fünftgrößte Handelspartner Australiens. Bevor die Briten 1973 Teil der EU und damit des Binnenmarktes wurden, war Australien sogar der wichtigste Handelspartner.

Wirtschaftsexpertin Gabriele Suder von der RMIT Universität in Melbourne begrüßte den britisch-australischen Deal. Für beide Länder seien das gute Nachrichten. Schließlich handele es sich um das erste Abkommen in der Post-Brexit-Ära.

Sie geht davon aus, dass der Deal der australischen Wirtschaft jährlich 1,3 Milliarden australische Dollar (rund 830 Millionen Euro) einbringen werde. Andere Experten gehen davon aus, dass der Pakt für Großbritannien wichtiger sein wird. Australien ist im Handel stark auf Asien ausgerichtet.

Britische Landwirte fürchten Importe

Der Pakt mit Australien ist allerdings in Großbritannien umstritten. Landwirte fürchten eine Flut von Importen bei Lamm- und Rindfleisch, sobald hier Zölle wegfallen. Das könnte britische Schaf- und Rinderzüchter treffen.

Die Regierung in London betonte, dass der Deal Obergrenzen für zollfreie Einfuhren in den kommenden 15 Jahren sowie Quotenregelungen und andere Schutzmaßnahmen vorsehe.

Bauernverbände forderten das Parlament zu einer genauen Kontrolle des Vertrags auf. Nach australischen Angaben werden die Landwirte des Landes von dem Abkommen profitieren.

Verträge mit Dutzenden Staaten

Großbritannien stellt sich nach dem Brexit derzeit neu auf. Seit das Vereinigte Königreich die EU verließ, hat es zwar bereits Handelsverträge mit Dutzenden Ländern beschlossen. Allerdings handelte es sich dabei stets um Kopien der vor dem Brexit bereits bestehenden EU-Verträge mit diesen Staaten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juni 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.