Schild an einem Job Centre in Großbritannien | picture alliance/dpa/EPA

Zahl offener Stellen steigt Großbritanniens Arbeitsmarkt brummt

Stand: 18.01.2022 14:39 Uhr

Die britische Wirtschaft bleibt auf Erholungskurs, das zeigt auch der aktuelle Arbeitsmarktbericht. Das Land kämpft weiterhin eher mit einem Mangel an Fachkräften als mit Arbeitslosigkeit..

Der Arbeitsmarkt in Großbritannien bleibt in guter Verfassung. Eine weiter sinkende Arbeitslosenquote und eine hohe Zahl offener Stellen zeigen, dass die britische Konjunkturerholung auch die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter steigen lässt.

Wieder auf Vor-Corona-Niveau

Im aktuellen Berichtsmonat November fiel die Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent im Vormonat auf 4,1 Prozent, wie das Statistikamt ONS am Dienstag in London bekannt gab. Das überraschte auch Analysten positiv. Sie hatten mit einer konstanten Quote gerechnet. "Die heutigen Zahlen sind ein Beweis dafür, dass der Arbeitsmarkt floriert", sagte Finanzminister Rishi Sunak in einer ersten Reaktion.

Die Beschäftigung in Großbritannien steigt kontinuierlich an und hat in allen Regionen wieder das Vor-Corona-Niveau überschritten. Der Mangel an Arbeitskräften, der nicht nur eine eine Folge der Pandemie, sondern auch des Brexit ist, hat sich allerdings weiter verschärft und belastet sogar das Wachstum. Die Zahl offener Stellen erreichte einen neuen Rekordwert von 1,247 Millionen. Das sind 462.000 nicht besetzte Stellen mehr als vor der Pandemie.

Vor allem im Dienstleistungssektor fällt es den Unternehmen schwer, neue Arbeitskräfte zu finden. Dabei spielt auch die Zurückhaltung der Arbeitnehmer in Branchen eine Rolle, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind.

Moderate Lohnabschlüsse

Das Lohnwachstum schwächte sich weiter ab, bleibt im längeren Vergleich aber kräftig. "Wenige Unternehmen scheinen die Löhne deutlich anzuheben, um ihre Mitarbeiter zu halten", sagte Analyst Samuel Tombs vom Analysehaus Pantheon Macroeconomics. Der Experte erwartet für 2022 ein Lohnwachstum von 3,5 Prozent. Inklusive Bonuszahlungen stiegen die Löhne um 4,2 Prozent, ohne Boni erhöhten sie sich um 3,8 Prozent. Im Sommer hatte der Anstieg noch bei mehr als acht Prozent gelegen. Damit verringern sich auch die Inflationsgefahren, denn stark steigende Löhne erhöhen das Risiko, dass sich die ohnehin hohe Inflation verfestigt.

Die Sorge über einen Arbeitskräftemangel und mittelfristigen Lohndruck war einer der Hauptgründe dafür, dass die Bank of England (BoE) im Dezember als erste der führenden Zentralbanken zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie den Leitzins angehoben hat. Der geldpolitische Schlüsselsatz kletterte von 0,1 auf 0,25 Prozent. Die Finanzmärkte sehen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent, dass die Notenbank die Zinsen bei ihrer nächsten Sitzung am 3. Februar weiter anhebt.

Internationaler Arbeitsmarkt kämpft mit Pandemie-Folgen

Der britische Arbeitsmarkt steht im internationalen Vergleich damit gut da. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) rechnet mit einer langsameren Erholung der globalen Jobmärkte als bislang erwartet. Im gesamten Jahr 2022 würden in Folge der Corona-Pandemie rund 52 Millionen Vollzeitstellen wegfallen, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder gestern bei der Veröffentlichung eines neuen Berichts. Bisher war die ILO von einem Verlust von 26 Millionen Vollzeitstellen für das laufende Jahr ausgegangen. Als Grund für den Pessimismus nannte Ryder die Entstehung neuer Virusvarianten wie Omikron, die zu einer erhöhten Unsicherheit in der Wirtschaft beitrügen und die Schaffung von Arbeitsplätzen verhinderten. Die globale Arbeitslosigkeit werde mindestens bis 2023 auf einem Niveau über der Vor-Corona-Zeit verharren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. August 2021 um 17:14 Uhr.