Gasschiff in der Arktis | picture alliance / Zoonar

Aus Klimaschutzgründen Grönland stoppt Suche nach Erdöl

Stand: 16.07.2021 15:02 Uhr

Im Kampf gegen den Klimawandel hat Grönland das Ende der Erdölsuche auf seinem riesigen Gebiet in der Arktis eingeleitet. Trotz unerschlossener Mengen werden keine neuen Lizenzen mehr vergeben.

Unter anderem aus Klimaschutzgründen stellt Grönland keine neuen Lizenzen mehr für die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen bereit. "Die grönländische Regierung ist der Meinung, dass der Preis der Ölexploration zu hoch ist", teilte das Ministerium für minerale Rohstoffe mit. Die Entscheidung vom 24. Juni wurde nun bekanntgegeben.

Die Regionalregierung in dem dänischen Selbstverwaltungsgebiet wolle damit eine Mitverantwortung im Kampf gegen die Klimakrise übernehmen. Grönland ist nach der Antarktis der zweitgrößte Eisspeicher der Welt und damit ein Hotspot der globalen Klimaerwärmung. Erste Destabilierungen in Teilen des Eises wurden dort bereits beobachtet. Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) warnte zuletzt, dass sich das Eisschild wohl viel schneller als bislang vermutet dem Punkt nähere, an dem sich das Abtauen nicht mehr rückgängig machen lässt.

"Zukunft liegt nicht im Öl"

Neben den Überlegungen zu den Folgen von Erkundungen für Klima und Umwelt basiere die Entscheidung auch auf wirtschaftlichen Berechnungen, erklärte die Regierung Grönlands. "Die Zukunft liegt nicht im Öl. Die Zukunft gehört der erneuerbaren Energie und in dieser Hinsicht haben wir viel mehr zu gewinnen."

"Dieser Schritt ist unserer Natur zuliebe, unseren Fischereien zuliebe, unserem Tourismussektor zuliebe und auch deshalb ergriffen worden, um unser Geschäft auf nachhaltige Potenziale auszurichten", hieß es weiter. Dabei machte das Ministerium kein Geheimnis daraus, dass es rund um die größte Insel der Erde weiter massive unerforschte Ölvorkommen gibt.

Große Mengen nicht aufgespürt

Laut einer aktuellen Studie der Geologischen Forschungsanstalt von Dänemark und Grönland liegen allein an der Westküste Grönlands unerforschte Ölvorkommen mit einem geschätzten Wert von 18 Milliarden Dänischer Kronen. Auch an der Ostküste vermuten die Forscher große Vorkommen unter dem Meeresboden. Bislang ist in den Gewässern um die größte Insel der Erde kein Öl entdeckt worden.

Die US-Behörde Geological Survey vermutet dort ebenfalls umfangreiche Mengen Öl und Erdgas, die noch nicht aufgespürt wurden. Die Regierung Naalakkersuisut vertrete jedoch die Position, dass Grönland besser dran sei, wenn es sich auf eine nachhaltige Entwicklung konzentriere, sagte Rohstoffministerin Naaja H. Nathanielsen. Nach Angaben der Regionalregierung in Nuuk zeigt eine ökonomische Analyse darüber hinaus eine geringe Rentabilität bei der Ölförderung. Die Renditen seien "tatsächlich nur halb so hoch wie von Ölgesellschaften erwartet".

Verbot auch für Uran?

Auch deshalb war die Ölförderung in Grönland in den vergangenen Jahren bereits ins Stocken geraten, während in anderen Teilen der Arktis große Ölprojekte in Gang sind oder entwickelt werden. Die Entscheidung der Autonomieverwaltung gilt daher weitestgehend als symbolisch. Greenpeace bezeichnete den Regierungsbeschluss dennoch als "fantastisch". Schon vor zehn Jahren hatten Aktivisten der Umweltschutzorganisation eine Ölbohrplattform in Grönland besetzt und einen Abbruch der Suche gefordert.

Mads Flarup Christensen, Greenpeace-Generalsekretär für die nordische Weltregion, sagte dem dänischen Magazin "Ingeniøren": "Und mein Verständnis ist, dass die Lizenzen, die übrig sind, sehr begrenztes Potenzial haben." Grönland hat vier Lizenzen für die Suche nach Öl und Gas an zwei kleine Unternehmen vergeben. Diese bleiben noch gültig, sofern sie aktiv suchen.

Ölplattform Leiv Eriksson Arktis | picture alliance / dpa

Die Ölplattform "Leiv Eriksson" war 2011 von Greenpeace-Aktivisten besetzt worden. Bild: picture alliance / dpa

Gemäß ihrem Wahlversprechen berät die neue Regionalregierung derzeit auch über einen Gesetzentwurf, der die Uranförderung und den -abbau verbieten soll. Obwohl die Insel eine starke Fischereiindustrie hat, ist das arktische Territorium weitgehend von dänischen Subventionen abhängig.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2021 um 13:00 Uhr.

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Moderation 16.07.2021 • 21:39 Uhr

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