Strand auf Kreta | AFP

Tourismus-Boom Sehnsucht nach griechischer Sonne

Stand: 17.04.2022 08:38 Uhr

Viele Hotels auf griechischen Inseln sind für den Sommer schon fast ausgebucht. Athen zählt derzeit mehr Touristen als vor der Pandemie. Nach dem Corona-Tief erlebt Griechenland einen Tourismus-Boom.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom, z. Zt. in Athen

In den beiden Hotels von Nikos Bouchos in Kallithea auf Rhodos laufen die Arbeiten. Die Insel, besonders bei Deutschen beliebt, putzt sich raus. Viele Hotels sind mit ihren Renovierungen auf der Zielgeraden. Die Listen mit den Vorbuchungen liefen derzeit über, erzählt Bouchos. "Die Leute sehnen sich danach, ein bisschen Ferien zu haben nach so langer Zeit. Alle scheinen es nicht erwarten zu können wegzufahren."

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Angebot wird ausgeweitet

Eine Lust auf Urlaub nach dem erhofften Ende der Pandemie, der den Tourismus in Griechenland boomen lässt. In Athen brummt - anders als in der Vergangenheit - der Städtetourismus bereits in den letzten Winterwochen. Der Krieg in der Ukraine scheint weit weg. Jenny, Besitzerin eines Cafés im Ausgehviertel Plaka, staunt über den Andrang. "Es gibt so viele Touristen hier", sagt sie. "Außer den Griechen sind hier in Plaka schon viele Ausländer unterwegs. Viele, unglaublich viele!" Derzeit mache sie fast sogar bessere Geschäfte als vor der Pandemie, sagt Jenny.

Auch der deutsche Reisekonzern TUI rechnet damit, in diesem Jahr mehr Touristen nach Griechenland zu bringen als 2019, dem Vor-Covid-Rekordjahr. Die Billigfluggesellschaft Easyjet stockt ebenfalls auf, bietet zwischen Großbritannien und Griechenland im Vergleich zu den Vor-Krisenjahren eine halbe Million Sitze mehr an.

Hellas-Urlaub ist gefragt, und im Verband der griechischen Reiseagenturen herrscht Optimismus. "Es gibt in der Tat in diesem Jahr eine große Reisebereitschaft, die definitiv höher liegt als im schlechten letzten und im katastrophalen vorletzten Jahr", sagt Präsident Lyssandros Tsilidis. "Ob wir das Topjahr 2019 sogar überholen, weiß ich nicht. Dafür bräuchten wir eigentlich höhere Hotelkapazitäten, um mehr Leute beherbergen zu können."

Starke Abhängigkeit vom Tourismus

Bereits ein Einstellen des Allzeit-Rekordergebnisses von 2019 aber wäre ein Erfolg für Griechenlands Fremdenverkehrsbranche nach den mageren Covid-Jahren - und eine gute Nachricht für die Wirtschaft des Landes. Denn kein Staat in Europa ist so stark vom Tourismus abhängig wie Griechenland. Jeder fünfte Euro im Land wird im Fremdenverkehr verdient, auch jeder fünfte Arbeitsplatz hängt daran.

Hotelbesitzer Bouchos glaubt, dass in diesem Sommer zumindest auf Rhodos trotz der Ukraine-Krise das erhoffte Top-Ergebnis erreicht werden kann. "Ja, danach sieht es aus", sagt er. "Nach zwei Jahren werden wir wohl endlich, wie geplant, Mitte April öffnen können. Für den Sommer haben wir nur noch ein paar Kapazitäten und die Nachfrage steigt derzeit steil an."

Hotelier Nikos Bouchos | Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Hotelier Nikos Bouchos glaubt an ein Rekordjahr für den Tourismus. Bild: Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Start der Tourismussaison vorverlegt

Um die Nachfrage zu entzerren, entschied die griechische Regierung, den offiziellen Beginn der Tourismussaison im Land vorzuziehen: vom griechischen Osterfest Mitte April auf Anfang März. Für Bouchos und seine beiden Hotels auf Rhodos kam dies zwar zu kurzfristig - noch laufen die Renovierungsarbeiten. Internationale Reiseveranstalter und Fluggesellschaften aber, sagt Tourismusminister Vassilis Kikilias, hätten darauf gedrängt, die Saison auszudehnen, um noch mehr Touristen nach Griechenland bringen zu können.

Deutsche Reiseveranstalter loben unter anderem die "schlüssigen Hygienekonzepte und Transparenz" Griechenlands während der Pandemie. Für Griechenland zahlt sich außerdem aus, dass es mit Kurzarbeiterzahlungen für die Beschäftigten im Tourismus sowie Zuschüssen und Steuerhilfen für die Unternehmen große Teile der Hotelbranche am Leben gehalten hat.

In der Gastronomie, die nicht nur vom Tourismus lebt, sieht es nicht ganz so gut aus. Hier mussten laut Medienberichten vier von zehn Betrieben dicht machen. Aktuell fließen noch einmal 320 Millionen Euro aus den Coronahilfen der Europäischen Union in die griechische Tourismusinfrastruktur, unter anderem in die Ausbildung des Personals, in Umweltmaßnahmen und Digitalisierung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info im Hörfunk am 12. April 2022 um 09:36 Uhr.