Marine Le Pen | EPA

Vor Stichwahl gegen Macron Wirtschaft warnt vor Wahl Le Pens

Stand: 12.04.2022 17:34 Uhr

Vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt haben Arbeitgeber und große Gewerkschaften vor den Folgen einer Wahl von Marine Le Pen gewarnt. Sie unterstützen Amtsinhaber Emmanuel Macron.

Von Cai Rienäcker, ARD-Studio Paris

Der französische Arbeitgeberverband MEDEF ergriff in einer offiziellen Stellungnahme eindeutig Partei für den amtierenden Präsidenten. Emmanuel Macron sei der Richtige für die kommenden wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Arbeitgeber in Frankreich befürchten, dass das Land im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn wirtschaftlich zurückfallen könnte. Frankreich drohe innerhalb der Europäischen Union an den Rand gedrängt zu werden. Darunter würde auch das Vertrauen der internationalen Investoren leiden, so der französische Arbeitgeberverband.

Cai Rienäcker ARD-Studio Paris

Firmen fürchten Folgen einer Wahl Le Pens

Vertreter deutscher Firmen in Frankreich bezeichnen das Programm von Marine Le Pen als konfus und wechselhaft, sodass kaum von einem echten Wirtschaftskonzept gesprochen werden könne. Auch bei der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer in Paris ist man skeptisch. Sorgen machen den deutschen Investoren die europafeindliche Haltung Le Pens sowie ihre zahlreichen Versprechen zur Stärkung der Kaufkraft der Franzosen. Diese könnten eine ausufernde Staatsverschuldung und Steuererhöhungen nach sich ziehen.

Nach Angaben der regierungsnahen französischen Gesellschaft "Business France" stehen deutsche Unternehmen aktuell an der Spitze der Investitionsprojekte in Frankreich - Tendenz: steigend. Insgesamt gilt Frankreich wieder als attraktiver Investitionsstandort. Ein Verdienst, das vor allem dem aktuellen Präsidenten Macron zugeschrieben wird.

Große Gewerkschaften gegen Le Pen

Auch die größte französische Gewerkschaft CFDT gab eine eindeutige Wahlempfehlung für Macron. Le Pens Programm bedeute Diskriminierung, die Vernachlässigung Europas und das Anbändeln mit Autokraten. Die zweitgrößte Gewerkschaft CGT sprach sich ebenfalls gegen Le Pen aus, ohne aber direkt zur einer Stimmabgabe für den amtierenden Präsidenten Macron aufzurufen.

Wirtschaftspolitik von Macron und Le Pen im Vergleich

Emmanuel Macron setzt in der Wirtschaftspolitik vor allem auf die Bilanz der vergangenen fünf Jahre. Unter seiner Präsidentschaft sank die Arbeitslosenquote in Frankreich auf 7,4 Prozent, den niedrigsten Stand seit 14 Jahren. Aus der Corona-Pandemie ist Frankreich mit dem stärksten Wirtschaftswachstum seit 50 Jahren herausgekommen. Allerdings ist die Staatsverschuldung kräftig gestiegen.

Im Falle einer Wiederwahl will Macron die schon lange angekündigte Erhöhung des Rentenalters umsetzen: von 62 auf 65 Jahre - allerdings deutete er hier am Tag nach dem ersten Wahlgang mögliche Abstriche an, als er erklärte: "Die Rente mit 65 ist kein Dogma." Sozialhilfeempfänger sollen nach Macrons Vorstellungen künftig zu Schulungen verpflichtet werden.

Marine Le Pen setzt vor allem auf das Thema Kaufkraft. Sie verspricht ihren Wählern einen schnellen Ausgleich für die zuletzt rasant gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Mehrwertsteuer für Benzin, Heizöl, Gas oder Strom soll von 20 auf 5,5 Prozent abgesenkt werden, bei wichtigen Alltagsprodukten will Le Pen die Mehrwertsteuer sogar auf null absenken.

An den Finanzmärkten wird für den Fall eines Wahlsiegs von Le Pen mit einer ausufernden französischen Staatsverschuldung gerechnet, die auch den Euro unter Druck setzen könnte.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 12. April 2022 um 16:13 Uhr.