Federal Reserve Bank, Washington, USA

Zinswende Fed erhöht Leitzins - erstmals seit 2018

Stand: 16.03.2022 20:31 Uhr

Die US-Notenbank reagiert auf die hohe Inflation und erhöht ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Es ist die erste Zinserhöhung seit Ende 2018. Gleichzeitig signalisierte die Fed weitere Zinsschritte.

Mit einer Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte stemmt sich die amerikanische Notenbank Fed gegen die hohe Inflation. Der geldpolitische Schlüsselsatz liegt nun in einer Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent - nach bislang Null bis 0,25 Prozent. Es ist die erste Erhöhung des Leitzinses seit Ende 2018.

Die Fed hatte den Leitzins im März 2020 auf das bisherige Niveau gesenkt, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Jetzt war die Notenbank angesichts der anhaltend hohen Teuerung zum Handeln gezwungen. Im Februar waren die US-Verbraucherpreise um 7,9 Prozent gestiegen - und damit so stark wie zuletzt vor 40 Jahren.

Wachstumsprognose deutlich gesenkt

Der Ukraine-Krieg hat den Druck auf die Währungshüter noch erhöht. Während die gegenseitigen Handelsverbote die amerikanische Wirtschaft schwächen, schlagen die steigenden Energiepreise direkt auf die Inflation durch. "Der Krieg sorgt für weiteren Inflationsdruck, und wird die Wirtschaft auf vielfältige Weise treffen", erklärte US-Notenbankchef Jerome Powell.

Zugleich hoben die Geldpolitiker um Powell ihre Inflationsprognose für dieses Jahr von zuvor 2,6 Prozent auf 4,2 Prozent an - und senkte die Wachstumsprognose von 4,0 Prozent auf 2,8 Prozent. Mittelfristig strebt die Zentralbank eine Inflationsrate von rund 2,0 Prozent an.

Weitere Zinsschritte signalisiert

Die Währungshüter erklärten in ihrem Zinsausblick, dass sie ein Niveau von 1,9 Prozent Ende 2022 für angemessen halten. Folglich ist in diesem Jahr noch mit mehreren Zinserhöhungen zu rechnen. Im Dezember waren die Entscheider der Fed im Durchschnitt noch davon ausgegangen, dass der Leitzins im Laufe des Jahres auf 0,9 Prozent steige.

Bilanzabbau startet bald

Neben den Zinsschritten will die US-Notenbank nun auch den Abbau ihrer aufgeblähten Bilanz angehen. Auf einem "kommenden Treffen" solle damit begonnen werden. Die nächsten Zinssitzungen stehen im Mai und Juni an.

Während der Corona-Krise hatte die Fed ihre Wertpapierbestände auf fast neun Billionen Dollar aufgebläht. Mit dem Verkauf der Wertpapiere wird die Notenbank den Finanzmärkten Liquidität entziehen, um den Preisauftrieb zu dämpfen. Doch auch bei mehreren Abbauschritten wird noch für längere Zeit reichlich Liquidität im Finanzsystem bleiben.

Zinserhöhungen bergen Gefahren

"Dieser erste kleine Zinsschritt war mehr als überfällig und wirkt halbherzig", kommentierte Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. "Die US-Inflationsrate nähert sich mit großer Geschwindigkeit der Zehn-Prozent-Marke und auch die Inflationserwartungen sind kräftig gestiegen. Die Zentralbank muss jetzt vermeiden, dass aus einer temporären Corona- und Kriegsinflation ein längerfristiger Inflationsprozess wird. Dafür sind weit höhere Zinsen unausweichlich."

Trotz des nun eingeschlagenen Erhöhungspfades werden die Zinsen jedoch auch bei anhaltendem Inflationsdruck auf absehbare Zeit vergleichsweise niedrig bleiben. Die Geldpolitik begibt sich mit Zinserhöhungen nämlich in hoch sensibles Terrain.

Zum einen birgt die Inflationsbekämpfung über höhere Zinsen die Gefahr, die Konjunktur abzuwürgen. Vor allem aber lässt die hohe Verschuldung der Staaten und Privathaushalte, die sich in der Corona-Krise noch erheblich verschärft hat, zu starke Zinssteigerungen nicht zu. Experten wie die des IWF haben wiederholt vor den Gefahren steigender Zinsen insbesondere für die Schwellenländer gewarnt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. März 2022 um 20:00 Uhr.