Schriftzug des China Evergrande Centre an der Fassade eines Gebäudes in Hongkong. | REUTERS

Immobilienkonzern in der Krise Evergrande verschafft sich etwas Luft

Stand: 29.09.2021 13:44 Uhr

Der Immobilienriese Evergrande verkauft eine Bankbeteiligung und holt damit mehr als eine Milliarde Euro herein. Entwarnung bedeutet das für die meisten Gläubiger des schwer angeschlagenen Konzerns aus China noch nicht.

Der hochverschuldete chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat durch einen Anteilsverkauf mehr als eine Milliarde Euro erlöst. Wie das Unternehmen mitteilte, hat Evergrande seinen fast 20-prozentigen Anteil an der Shengjing Bank für 9,99 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro) an die staatliche Vermögensgesellschaft Shenyang Shengjing abgegeben. Shenyang Shengjing wird dadurch größter Aktionär der Bank.

Allerdings wird der Verkaufserlös wohl nicht der breiten Masse der Evergrande-Gläubiger zu Gute kommen. Denn mit den Einnahmen sollen Schulden beglichen werden, die Evergrande bei der Shengjing Bank hat.

Kurssprung im Abwärtstrend

Die Evergrande-Aktie reagierte mit kräftigen Kursgewinnen auf die Nachricht. An der Frankfurter Börse gewann das Papier zeitweise 17 Prozent auf 0,348 Euro. Allerdings hat dei Aktie eine lange Abwärtsbewegung hinter sich. Vor einem Jahr notierte sie noch im Bereich von zwei Euro.

Evergrande ächzt unter einem Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Dollar und ist in Zahlungsverzug geraten. Zuletzt stieg die Hoffnung auf staatliche Hilfen zur Rettung des strauchelnden Konzerns für private Anleger.

Was passiert mit internationalen Anleihen?

Zu einer heute fälligen Zinszahlung von 47,5 Millionen Dollar auf eine Auslandsanleihe gab es vorerst keine Informationen. In der vergangenen Woche hatte der Konzern eine ähnliche Zahlungsfrist kommentarlos verstreichen lassen. Allerdings gibt es eine 30-tägige Frist, nach der Evergrande erst offiziell in Verzug gerät.

Dennoch befürchten Marktbeobachter, dass in- und ausländische Gläubiger nicht gleich behandelt werden. Sie stützen sich dabei auf eine Einigung von Evergrande mit heimischen Gläubigern über einen Anleihe in der Landeswährung Yuan in der vergangenen Woche, kurz bevor die Zahlungsfrist für einen Dollar-Bond verstrich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. September 2021 um 07:16 Uhr.