Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasanlandestation von Nord Stream 2 in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern). | dpa

Ostseepipeline Erste Röhre von Nord Stream 2 befüllt

Stand: 18.10.2021 12:36 Uhr

Die Voraussetzungen für den Start von Nord Stream 2 sind geschaffen. Die erste Röhre der Ostseepipeline wurde mit Gas befüllt. Offen ist, wann sie tatsächlich in Betrieb geht und das erste Gas geliefert wird.

Der erste Strang von Nord Stream 2 ist betriebsbereit. Das teilte der Betreiber der Ostseepipeline in Zug in der Schweiz mit. Nach Angaben des Unternehmens wurde der erste Strang zwei Wochen lang mit technischem Gas befüllt. Damit habe man die Voraussetzungen geschaffen, "um den Gastransport zu einem späteren Zeitpunkt zu starten", erklärte der Betreiber.

Wann genau das erste Gas aus Russland durch die Pipeline nach Deutschland kommt und damit möglicherweise für eine Entspannung der Gaspreise sorgen könnte, ist aber noch unklar. Die Pipeline ist zwar fertig gestellt, allerdings steht die Genehmigung durch die deutschen Behörden noch aus: Die Bundesnetzagentur prüft derzeit den Antrag auf eine Zertifizierung.

Start des zweiten Strangs in Vorbereitung

Die erste Röhre musste für den betriebsbereiten Zustand mit 177 Millionen Kubikmetern technischem Gas befüllt werden, damit der Druck darin aufgebaut und dann aufrechterhalten werden kann. Das technische Gas fungiert als Platzhalter. Sobald die Genehmigung vorliegt, könnte der Beginn des Transports von Erdgas aus Russland recht schnell gehen. Zuvor hatten die Betreiber an der Röhre zahlreiche Tests durchgeführt. Die technischen Vorbereitungen für die Inbetriebnahme des zweiten Strangs laufen nach Angaben von Nord Stream 2 derzeit. Einzelheiten wolle man zu einem späteren Zeitpunkt nennen.

Der Betreiber der Pipeline, eine Tochterfirma des russischen Energiekonzerns Gazprom, plant laut NDR, noch in diesem Jahr mehr als fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Europa zu liefern. Dafür wird wohl zunächst der Strang genutzt, bei dem nun das technische Gas eingespeist wurde. Insgesamt sollen jährlich etwa 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland aus durch die Pipeline nach Deutschland geliefert werden, womit 26 Millionen Haushalte versorgt werden können. Damit würden die russischen Gaslieferungen nach Deutschland verdoppelt werden. 

Umstrittenes Projekt

Die Ostseepipeline verbindet Russland mit Deutschland. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte in der vergangenen Woche, ein Start der Erdgaslieferungen könnte zu einer Entspannung auf dem Gasmarkt führen. Er macht Druck, dass die Pipeline schnell in Betrieb geht.

Kritiker werfen dem Projekt vor, es könnte von Russland als geopolitisches Instrument genutzt werden, weil man so unabhängiger von der Ukraine als Transitland werde. Im September wurden die Arbeiten an der Pipeline abgeschlossen. Zuvor hatten die USA und Deutschland nach jahrelangem Streit eine Einigung über die Inbetriebnahme erreicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Oktober 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.