Offshore-Windpark Walney Extension vor der Küste von Blackpool, Großbritannien. | REUTERS

WWF-Energiebericht Unumkehrbar erneuerbar?

Stand: 11.01.2022 16:00 Uhr

Weltweit werden immer mehr Wind- und Solaranlagen gebaut, konventionelle Kraftwerke fallen zurück. Die Umweltschutzorganisation WWF sieht große Fortschritte bei der globalen Energiewende - übt aber Kritik an Deutschland.

Von Andre Kartschall, rbb

Es sind ausgesprochen optimistische Nachrichten, die der WWF verkündet: die Energiewende sei unumkehrbar im Gange - und sie mache weltweit große Fortschritte. So lautet das Fazit der Umweltschutzorganisation in ihrem Bericht "Megatrends der globalen Energiewende II". Dort bescheinigen die Autoren der Welt, die menschengemachte Erderwärmung als ernstes Problem erkannt zu haben.

Andre Kartschall

Doch das bedeutet nicht, dass die Staaten auch ihre selbst gesteckten Klimaschutzziele erreichen werden. Denn zwar gebe es eine Trendumkehr hin zu Energiegewinnung mittels Wind, Sonne und Wasserkraft, aber noch immer belasteten neue Kohlekraftwerke die CO2-Bilanzen.

Schub für den Strom aus Wind und Sonne

Im Vergleich zum Jahr 2015, als der erste Report des WWF erschien, ist die Welt von heute - und morgen - jedoch eine andere. Im WWF-Bericht heißt es dazu: "Mehr als 80 Prozent der weltweit neu installierten Erzeugungsleistung waren im Jahr 2020 erneuerbar. 2020 flossen 70 Prozent der Neuinvestitionen in Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Fossile und nukleare Kraftwerke sind damit weit abgeschlagen."

Doch es gehe noch immer nicht schnell genug, sagt Viviane Raddatz, Leiterin des Bereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF. Die Erderwärmung auf 1,5 oder zwei Grad zu beschränken, sei selbst beim mittlerweile beschleunigten Tempo kaum machbar. Im vergangenen Jahr sei es auf der Erde bereits 1,2 Grad wärmer gewesen als vor Beginn des industriellen Zeitalters.

"Die Dinge dauern viel zu lange"

Besonders mit dem selbst ernannten Vorreiter Deutschland geht der WWF hart ins Gericht. Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW, beklagt: Es fehle nicht am Gestaltungswillen, es mangele schlicht an der Machbarkeit. Überall gebe es Hindernisse: "Da ist die Frage der Fachkräfte, die Flächenverfügbarkeit, der Zeitrahmen - die Dinge dauern viel zu lange. Da ist das Material, wo wir heute schon Lieferengpässe erleben."

Die gesetzlichen Vorgaben der vergangenen Jahre hätten den Ausbau in Deutschland abgewürgt. Mittlerweile seien andere Staaten, auch innerhalb der EU, vorbeigezogen. Tatsächlich wurden 2020 bundesweit Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von nicht einmal 2000 Megawatt installiert - 2017 waren es noch mehr als 6000.

 

Kritik an Atomkraft-Trend

Auch bei einem weiteren Thema wird Deutschlands Vorreiterstatus in der Energiewende in Frage gestellt. Eine wachsende Zahl von Staaten setzt bei der Energiewende - wieder - auf Atomkraft. Kernkraftwerke haben eine CO2-Bilanz, die vergleichbar ist mit Windenergie und liefern verlässlich Strom, egal ob der Wind weht oder die Sonne scheint. China etwa plant, innerhalb von 15 Jahren 150 neue Reaktoren zu errichten - dreimal so viele wie bereits in Betrieb sind.

Andere Länder, die bereits Reaktoren haben, bauen neue AKW, verlängern Laufzeiten oder nehmen Reaktoren wieder ans Netz. Die längst totgesagte Kernkraft erlebt rund zehn Jahre nach der Katastrophe von Fukushima eine Wiederauferstehung. Für Deutschland käme das nicht in Frage, so der WWF. Und auch international werde Atomstrom nicht die Lösung sein, ist man sich sicher. Im Report heißt es: "Reaktorneubauten außerhalb der Volksrepublik China bleiben absolute Ausnahmeerscheinungen."

 

Wasserstoff-Technologie als Hoffnung

Um das Stromnetz tatsächlich in nicht allzu ferner Zukunft mittels Erneuerbaren betreiben zu können, fehlen nach wie vor die Speicher. Im Falle einer "Dunkelflaute", also insbesondere in den dunklen, kalten Monaten, könnte ein auf Wind und Solarstrom basierendes Netz ausfallen. Durch Digitalisierung könne viel effizienter gesteuert werden, sagt der WWF.

Als Speichertechnologie wird Wasserstoff angeführt, der beispielsweise mittels "Power-To-Gas"-Verfahren aus grünem Strom erzeugt wird - und später in Kraftwerken verbrannt wird, quasi CO2-frei. Doch die Technologie ist teuer. Der WWF sieht daher auch nur begrenzten Spielraum für eine flächendeckende Nutzung. Der BDEW hingegen ist optimistischer. Wie man im aktuellen Bericht sehe, seien Entwicklungen schwer zu prognostizieren. Es sei daher durchaus denkbar, dass der Wasserstoff ein ähnlich dynamisches Wachstum erleben werde wie in jüngster Vergangenheit Wind- und Sonnenenergie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Januar 2022 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 11.01.2022 • 21:54 Uhr

20:54 Uhr von Sisyphos3

… wir haben es beide nicht im Griff wenn im europäischen Ausland so Dinger gebaut werden oder in China, wo allein 44 in der Planung sind. So'ne Dinger mit dem Atom drin werden weltweit zu zwischen 66% und 75% in den Ländern gebaut (oder geplant), in denen das Militär auch das Atom in den Waffen drin hat. Gerade Sie sind doch der, wer die ganze Wohnung mit diesen Atomlisten tapeziert hat. Gehen Sie mal an den Listen entlang, und addieren Sie diese Atomdinger in Listen nach Atomwaffenstaaten sortiert. Erst die Absoluten Zahlen addieren, dann als Prozentsatz zu allen Listen an den Wänden in Relation setzen. Und dann kommt was zwischen 66% und 75% dabei raus.