Recep Tayyip Erdogan | picture alliance / AA

Krise der türkischen Lira Erdogan tauscht Finanzminister aus

Stand: 02.12.2021 10:17 Uhr

Inmitten der Lira-Krise bekommt die Türkei einen neuen Finanzminister. Präsident Erdogan beauftragte den bisherigen Vizeminister Nebati mit der Ressortleitung. Nach der Ankündigung gerät die Landeswährung erneut unter Druck.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angesichts der schweren Krise der Landeswährung Lira den Finanzminister ausgetauscht. Der bisherige Ressortchef Lütfi Elvan hatte seinen Rücktritt vor der Hintergrund des Wertverfalls der Lira eingereicht. Zum neuen Finanzminister wurde Elvans bisheriger Nureddin Nebati ernannt, wie aus dem offiziellen Amtsblatt hervorgeht.

Rückzug nach einem Jahr

Elvan hatte das Amt erst seit November 2020 inne, als er nach dem Rücktritt von Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak zum Finanzminister ernannt worden war. Der neuerliche Wechsel an der Spitze des Ministeriums steht im Zusammenhang mit dem massiven Wertverfall der türkischen Lira. Seit Anfang des Jahres hat sie rund 40 Prozent an Wert verloren.

Präsident Erdogan hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt in die Zinspolitik des Landes eingemischt und sich dabei für niedrige Zinsen eingesetzt. Seiner Meinung nah ist die hohe Inflation von offiziell rund 20 Prozent die Folge von zu hohen Zinsen. Um die Geldentwertung zu senken, müsse man daher den Leitzins senken. Mit seiner Ansicht widerspricht der Politiker den allgemein anerkannten Erkenntnissen der Finanzwissenschaft. Viele Mitglieder der Führung der türkischen Zentralbank, die sich mehr oder weniger gegen Erdogans Ansichten stellten, mussten bereits ihren Hut nehmen.

30 Prozent Inflation befürchtet

Zuletzt hatte die türkische Notenbank den Leitzins trotz der hohen Inflation auf 15 Prozent gesenkt. Es war die dritte Leitzinssenkung innerhalb der vergangenen zwei Monate. Ökonomen erwarten nun, dass sich die Inflation in der Türkei im kommenden Jahr auf etwa 30 Prozent beschleunigen könnte. Derzeit liegt sie bei rund 20 Prozent.

Erst gestern hatte die türkische Notenbank am Devisenmarkt interveniert um die Lira zu stützen, allerdings ohne allzu viel Erfolg. Aktuell liegt der Kurs nur knapp über dem Rekordtief, das im Verlauf der Woche erreicht worden war.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2021 um 05:00 Uhr.