Das LNG-Bunker-Schiff "Kairos" liegt am Kreuzfahrtterminal Steinwerder in Hamburg | dpa

Energieversorgung Kann Katar als Gaslieferant einspringen?

Stand: 28.01.2022 16:23 Uhr

Die Erdgasspeicher sind mitten im Winter ungewöhnlich niedrig befüllt, mit dem Ukraine-Konflikt wächst die Furcht vor einem russischen Lieferstopp. Nicht nur die USA bieten offenbar Unterstützung an.

Angesichts der geringen Befüllung der deutschen Erdgasspeicher und des andauernden Konflikts zwischen Russland und der Ukraine arbeitet die Politik offenbar an alternativen Bezugsmöglichkeiten für den wichtigen Rohstoff.

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" gibt es Gespräche zwischen den USA und Katar darüber, wie man Europa verstärkt mit Erdgas aus dem Emirat beliefern könnte. Der Emir von Katar, Scheich Tamim Al Thani, werde schon bald auf Einladung von US-Präsident Joe Biden nach Washington reisen.

Auch mit der deutschen Seite besteht deswegen offenbar Kontakt. So habe der Emir der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits bei einem Telefonat Anfang November zugesagt, mit für Deutschlands Energiesicherheit einzustehen. Katar sehe sich als "aufrichtiger Partner Deutschlands". Katars staatlicher Energiekonzern Qatar Petroleum sei bereit, am Bau und der Finanzierung eines deutschen Flüssigerdgas-Terminals an der Elbe mitzuwirken.

Kein eigenes LNG-Terminal

Bisher verfügt Deutschland über kein eigenes Terminal, an dem verflüssigtes Erdgas angelandet werden könnte. Stattdessen müssen die benötigten Mengen beispielsweise über Terminals in Italien, Niederlanden und Polen eingeführt und dann in das europäische Gasnetz eingespeist werden. Immerhin lag die Auslastung der Anlagen zuletzt nur bei rund 30 Prozent. Auf diesem Weg könnte also deutlich mehr Gas nach Europa kommen.

Hintergrund der Gespräche scheint die Erkenntnis zu sein, dass der europäische Markt nicht allein mit Erdgaslieferungen aus den USA versorgt werden kann. So bezieht Deutschland rund 55 Prozent seines Erdgases aus Russland. Entsprechend abhängig ist Deutschland von Lieferungen des Staatskonzerns Gazprom durch die verschiedenen Pipelines. Viele Experten interpretieren die zuletzt ungewöhnlich niedrigen Lieferungen als Druckmittel gegen Deutschland und die EU im russischen Konflikt mit der Ukraine.

Katar ist zwar nur der fünftgrößte Erdgasproduzent der Welt. Nummer eins sind die USA, gefolgt von Russland. Beim Flüssigerdgas LNG (Liquified Natural Gas) ist das Emirat aber Weltmarktführer. Bisher belieferten Katar und die USA und in erster Linie Kunden in Asien.

Viel Gas für Europa aus den USA

Im Dezember waren europäische Länder der wichtigste Abnehmer für amerikanisches Gas. Etwa die Hälfte der US-Exporte gingen nach Europa. Während in Asien und Europa die anziehende Nachfrage zu Rekordpreisen geführt hat, übersteigt das Angebot in den USA wegen der Produktion von Schieferöl und -gas den einheimischen Verbrauch um etwa zehn Prozent. Allerdings ist die Kapazität für die Kühlung von Erdgas zu Flüssigerdgas in den USA begrenzt. Im Dezember lag sie in der Nähe der maximalen Auslastung.

Verflüssigtes Erdgas wird eingesetzt, wenn es keine Pipelineverbindung zwischen Produzent und Abnehmer gibt. Erdgas wird flüssig, wenn man es auf bis zu minus 164 Grad herabkühlt - womit auch das Volumen stark schrumpft. LNG wird deutlich teurer als Pipeline-Gas gehandelt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 20. Januar 2022 um 05:40 Uhr.