Stadtansicht von Paris mit Eiffelturm | picture alliance / Zoonar

Hohe Energiekosten Wie Frankreich die Preise deckelt

Stand: 21.09.2022 08:10 Uhr

Worüber in Deutschland noch diskutiert wird, ist in Frankreich schon länger Realität: Dort werden die hohen Energiepreise vom Staat gedeckelt. Doch die Hilfen haben eine Kehrseite.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

"Klotzen statt kleckern" ist die Devise der französischen Regierung. Mit rund 16 Milliarden Euro springt sie in diesem Jahr ein, um die Differenz zwischen den galoppierenden Großmarktpreisen und den gedeckelten Verbraucherpreisen zu begleichen. Denn schon seit knapp einem Jahr ist der Gaspreis in Frankreich auf dem Stand von Oktober 2021 eingefroren.

Julia Borutta ARD-Studio Paris

"Tarifschutzschild" auch 2023

Der Strompreis wurde bei einer Steigerung von vier Prozent gedeckelt. Das gilt nicht nur für private Haushalte, sondern auch für kleine Unternehmen - wie etwa den Feinkostladen von Vincent Vigneron in Straßburg. "Wir müssen unsere Produkte zwingend kühlen, die Wurst, den Käse. Anders geht es nicht", sagt er. Deshalb ist Vigneron froh, dass die Regierung den sogenannten Tarifschutzschild auch über die kommende Jahreswende hinaus verlängern wird.

Zwar nicht bei vier Prozent wie bisher, aber immerhin bei 15 Prozent Preissteigerung. Dafür veranschlagt die Regierung noch einmal 16 Milliarden Euro. Ohne diese Deckelung würde Vignerons Stromrechnung buchstäblich durch die Decke gehen. "Wir müssen ja doch irgendwann die steigenden Energiekosten an die Kunden weitergeben", sagt der Feinkosthändler. "Dann wird unsere Wurst, wird unser Käse teurer. Aber mit dem Tarifschutzschild können wir das moderat halten. Das ist beruhigend."

Massive Hilfen drücken Inflation

Die Regierung rechnet vor: Mit der Preisdeckelung im kommenden Jahr wird sich die Heizkostenrechnung - je nachdem, ob mit Gas oder Strom geheizt wird - nur um 20 bis 25 Euro pro Monat erhöhen. Ohne die Preisdeckelung wäre es neun- bis zehnmal so viel. Für die Wirtschaft hält der französische Staat weitere Hilfen bereit: Unternehmen, die mindestens drei Prozent ihres Umsatzes für die Strom- oder Gasrechnung ausgeben müssen, können bis zu zwei Millionen Euro Hilfe beantragen.

Aber das ist noch nicht alles, erklärt Wirtschaftsminister Bruno Le Maire: "Wir haben auch einen Topf für energieintensive Unternehmen aufgesetzt. Sie können bis zu 50 Millionen Euro Hilfe beantragen." Durch die Deckelung der Energiepreise ist es der französischen Regierung gelungen, die Inflation vergleichsweise niedrig zu halten. Nach Angaben des Nationalen Statistik-Instituts INSEE liegt sie bei 5,9 Prozent - in Deutschland dagegen bei 7,9 Prozent.

Kein Anreiz zur Sparsamkeit

In Straßburg sieht die Wäscherei-Besitzerin Angelina Deffler, dass es andere schlechter haben: "Dass die Preisdeckelung erhalten bleibt, ist eine gute Nachricht. Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa haben wir noch Glück."

Doch die Niedrigpreispolitik der französischen Regierung hat auch Nachteile. Strom und Gas sparen, das müssen viele Französinnen und Franzosen erst noch lernen. Die Regierung schlägt Alarm: Wenn nicht alle umgehend und drastisch Energie einsparen, droht den Unternehmen im Winter ein Gasstopp. Und die Privathaushalte müssten mit geplanten Stromausfällen rechnen. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. August 2022 um 20:00 Uhr.