Eine Frau geht über eine Straße in London  | EPA

Britische Haushalte Energiekosten steigen um 80 Prozent

Stand: 26.08.2022 11:38 Uhr

Verbraucher in Großbritannien müssen sich auf einen enormen Preissprung für Gas und Strom einstellen. Ab Oktober steigt der Preisdeckel für die jährlichen Kosten auf rund 3550 Pfund. Und es könnte noch mehr werden.

Britische Verbraucher müssen ab Oktober für Strom und Gas weitere 80 Prozent mehr zahlen. Die für Energie zuständige Aufsichtsbehörde Ofgem gab die jüngste Preisobergrenze bekannt, die Versorger ihren Kunden berechnen dürfen.

Demnach zahlen Haushalte künftig jährlich durchschnittlich 3549 Pfund für Heizung und Strom- umgerechnet 4205 Euro. Die Kosten beziehen sich auf den Verbrauch eines durchschnittlichen britischen Haushalts mit zwei bis drei Personen und einem Verbrauch von 2900 Kilowattstunden Strom sowie 12.000 Kilowattstunden Gas jährlich. Wer mehr verbraucht, den schützt der Preisdeckel nicht vor einer noch höheren Rechnung.

Hohe Energiekosten, hohe Inflation

Im April waren die jährlichen Energiekosten für den Durchschnittshaushalt bereits um 54 Prozent gestiegen, ein Rekordwert. Die Rechnungen waren auf 1971 Pfund begrenzt worden. Im vergangenen Winter lag die Obergrenze noch bei 1200 Pfund.

Viele Menschen in Großbritannien haben ohnehin mit der hohen Inflation zu kämpfen. Sie stieg im Juli auf 10,1 Prozent, das ist der höchste Wert seit 40 Jahren. Mit der Anhebung des Preisdeckels steigt der Druck auf die Regierung, Maßnahmen zur Entlastung von Haushalten anzukündigen.

Mit einem konkreten Plan wird aber nicht vor dem 6. September gerechnet, wenn die Nachfolge des scheidenden Premiers Boris Johnson entschieden wird. Außenministerin Liz Truss, die als Favoritin gilt, kündigte lediglich "umgehende Hilfe" an.

"Verheerende Neuigkeiten" für viele Menschen

Ofgem-Chef Jonathan Brearley bezeichnete die Anhebung als "verheerende Neuigkeiten" für Familien, die bereits am Existenzminimum leben. An die neue Regierung, die Anfang September ihre Arbeit aufnehmen soll, sagte er: "Wir arbeiten eng mit Ihnen zusammen. Aber wir müssen alle mit Dringlichkeit und Entschiedenheit handeln, um dieses Problem zu lösen", sagte er.

Auch Wohltätigkeits- und Gesundheitsorganisationen warnen, dass die hohen Energiepreise für ärmere Menschen und angesichts des bevorstehenden Winters eine Katastrophe seien. Immer mehr Menschen müssten sich entscheiden, ob sie ihre Wohnung heizen oder Lebensmittel kaufen.

Deckelung könnte erneut angehoben werden

Übergangs-Finanzminister Nadhim Zahawi räumte ein, dass die Ankündigung bei den Menschen "Stress und Angst" auslöse. Hilfe sei aber unterwegs, versicherte er. So soll es für alle Haushalte eine einmalige Hilfe von 400 Pfund geben. Sozialhilfeempfänger sollen zusätzlich 650 Pfund und Rentner noch einmal 300 Pfund erhalten. Die Maßnahmen wurden aber verbreitet als unzureichend kritisiert.

Erwartet wird, dass die Deckelung auch im Januar und im April noch einmal kräftig angehoben wird, um die hohen Marktpreise für Strom und Gas widerzuspiegeln und Anbieter vor dem Kollaps zu bewahren. Prognosen zufolge könnte dann die jährliche Energierechnung für durchschnittliche Haushalte auf bis zu 7000 Pfund steigen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. August 2022 um 12:20 Uhr.