FFP2-Schutzmasken werden in Wuppertal produziert. | dpa

Förderung soll auslaufen Masken "Made in Germany" unter Druck

Stand: 09.07.2021 15:47 Uhr

Als zu Beginn der Pandemie Mund-Nasen-Schutz und FFP2-Masken Mangelware waren, stiegen viele heimische Firmen in die Produktion ein - mit Förderung des Bundes. Jetzt soll die Förderung auslaufen. Zugleich beherrschen Billigimporte den Markt.

Von Eva Macht, SWR

Abda und Michael Hitz haben nicht lange gezögert - damals, im Frühjahr 2020, als die Pandemie Deutschland überrollte und es überall an Masken fehlte. "Die täglichen Meldungen am Anfang der Pandemie über die Knappheit von medizinischen Masken und Schutzausrüstungen und die Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten haben uns fassungslos gemacht und dazu animiert, eine Produktion in Deutschland aufzubauen", sagt Abda Hitz.

Eva Macht

Das Ingenieursehepaar nutzte ein stillgelegtes Fabrikgebäude in Schopfheim in der Nähe von Lörrach und stieg in die Maskenproduktion ein. Zunächst mit drei Mitarbeitern, heute hat ihr Unternehmen AplusM 18 Beschäftigte und fertigt Woche für Woche 40.000 Masken.

Förderprogramm des Bundes läuft aus

Weil der Masken-Mangel so groß war, hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Frühjahr 2020 ein Förderprogramm aufgelegt, um gezielt Unternehmen zu stützen, die die heimische Maskenproduktion ankurbeln sollten. Nach Angaben von Südwest-Textil waren das in allein in Baden-Württemberg 17 Unternehmen, bundesweit sind es 37 Lieferanten. Rund 290 Millionen FFP2-Masken und 750 Millionen OP-Masken hat der Bund bislang aus deutscher Produktion bezogen. Doch diese Rahmenverträge laufen Ende 2021 aus. Eine Verlängerung ist nicht vorgesehen.

Das sind düstere Aussichten für AplusM. "Unsere größte Sorge ist, dass wir zu wenig Aufträge bekommen, um die Produktion aufrechtzuerhalten", sagt Abda Hitz. Ihr Ehemann Michael Hitz ergänzt: "Da stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit der staatlichen Wirtschaftsförderung."

Internationaler Konkurrenzdruck steigt

Gleichzeitig geraten die deutschen Produzenten von anderer Seite unter Druck. Die EU hat kürzlich die Zoll- und Mehrwertsteuerbefreiung für chinesische Maskenimporte bis Ende 2021 verlängert. "Diese Zollaussetzung", so der Hauptgeschäftsführer von Südwest-Textil, Oliver Dawid, "bedeutet gerade für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen, vielfach aus der Textilbranche, einen erheblichen Wettbewerbsnachteil aufgrund der höheren heimischen Produktionskosten".

Beim Maskenverband Deutschland, dem Zusammenschluss deutscher Maskenhersteller, ärgert man sich. "Die Politik hat massive Förderprogramme aufgelegt und ganz laut und deutlich kommuniziert: 'Wir wollen langfristig unabhängig von asiatischen Importen sein'", so Verbandssprecher Alexander Bachmann. "Leider hat die Politik die Rahmenbedingungen für die Unabhängigkeit von Importen nicht gesetzt. Nachdem asiatische Billigware über die dubiosesten Kanäle den Markt geflutet hatte, haben Länder, Kommunen und öffentliche Institutionen fast ausschließlich billige Asienware zweifelhafter Qualität gekauft. Die deutschen Hersteller blieben auf ihrer Ware sitzen."

Eine Flut an Billigmasken - Appell an die Politik

Darunter leidet auch Guido Kerber aus Kelkheim im Taunus. Er ist im vergangenem Jahr dem Aufruf der Politik gefolgt und hat seine stillgelegte Besitzgesellschaft Kerber & Lampe reaktiviert. Das Geschäft mit der Maskenproduktion boomte zunächst. Doch seit einigen Monaten laufen die Bänder nur noch im Teilzeitbetrieb und stehen an manchen Tagen ganz still. "Mit der Konkurrenz aus Fernost können wir nicht mithalten", klagt Kerber. Der Markt werde derzeit geradezu überflutet von billig produzierten Masken vom asiatischen Markt. Wenn dies so weitergehe, müsse er den Betrieb wieder schließen.

Im internationalen Konkurrenzkampf hoffen die deutschen Hersteller auf Hilfe aus der Politik. Der Maskenverband Deutschland fordert, dass zum Beispiel die nationalen Notfallreserven mit deutscher Ware aufgefüllt werden. Außerdem sollten bei öffentlichen Ausschreibungen deutsche Hersteller bevorzugt werden. "Krankenhäuser sollten einen Preisnachlass erhalten", so Maskenhersteller Michael Hitz von AplusM, "wenn sie Material in Deutschland oder der EU einkaufen." Schließlich stehe eine Maske "made in Germany" für hohe Qualität, gerechte Löhne und Einhaltung von Arbeitsstandards.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Mai 2021 um 23:00 Uhr.