Gerollte Yuan-Banknoten  | REUTERS

Konzerne in China Milliardenspende als Flucht nach vorne

Stand: 27.08.2021 11:21 Uhr

Chinas Staats- und Parteiführung will den Wohlstand stärker umverteilen. Betroffen sind auch private Firmen. Einige reagieren mit einer Flucht nach vorne und kündigen Milliardenspenden an.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Dieser Tage zeigt sich einmal mehr, dass das Wirtschaftssystem der Volksrepublik China nicht mit dem in Europa oder dem in den USA zu vergleichen ist. Der Online-Handelskonzern Pinduoduo, der vor allem mit dem Verkauf von Lebensmitteln groß geworden ist, legte diese Woche gute Quartalszahlen vor: Der Umsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Auch meldete Pinduoduo zum ersten Mal einen Gewinn: Umgerechnet 320 Millionen Euro hat der börsennotierte Konzern verdient.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Doch in den vergangenen Monaten zeigte sich, dass zu großer wirtschaftlicher Erfolg schädlich sein kann in China. Denn es läuft eine Kampagne der Staats- und Parteiführung, mit der vermeintlich zu einflussreiche Privatkonzerne entmachtet und eingehegt werden sollen.

Pinduoduo kündigt Milliardenspende an

Besonders zu spüren bekamen das zuletzt Pinduoduos Hauptkonkurrenten Alibaba und Jingdong alias JD.com. Pinduoduo kündigte nun an, in den kommenden Monaten umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro spenden zu wollen, unter anderem für wohltätige Projekte in ländlichen Regionen Chinas. Pinduoduo-Chef Chen Lei betonte, er werde sich persönlich um das Vorhaben kümmern.

Logo des chinesischen Konzerns Pinduoduo | REUTERS

Pinduoduo will 1,3 Milliarden Euro spenden. Bild: REUTERS

Auch der größte Online-Konzern des Landes, Tencent, kündigte vergangene Woche an, umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro spenden zu wollen - unter anderem für Bildungsprojekte.

"Eigene Stärke herunterspielen"

"Chinas Wirtschaftsbosse versuchen zurzeit, Reichtum zu verschleiern oder sogar Vermögen zu verschenken", sagt Duncan Clark, Chef der in China tätigen Unternehmensberatung BDA. "Dahinter steckt der Gedanke: Man sollte nicht der höchste Baum im Wald sein, sonst ist man der erste, der gefällt wird. Vielen in China scheint es sinnvoll, die eigene Stärke herunterzuspielen."

Chinas Staats- und Parteiführung hat zuletzt immer wieder betont, sie strebe einen "allgemeinen Wohlstand" des chinesischen Volkes an. Eine Formulierung, die der Gründer der Volksrepublik, Langzeitdiktator Mao Zedong, geprägt hat.

Dass es zahlreiche Kader der Kommunistischen Partei Chinas gibt, denen der eigene Wohlstand wichtiger ist als der der Bevölkerung, zeigt ein vor einigen Tagen bekannt gewordener Korruptionsskandal: Im chinesischen Landesteil Zhejiang wird unter anderem gegen den Parteichef der Zehn-Millionen-Stadt Hangzhou, Zhou Jiangyong, ermittelt. Er und seine Familie sollen den Aufstieg diverser Tech-Unternehmen in Hangzhou genutzt haben, um sich zu bereichern. In Hangzhou hat unter anderem der Online-Shopping- und Fintech-Konzern Alibaba seinen Sitz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juni 2021 um 13:36 Uhr.