Hand hält Smartphone mit der Didi-App vor einer Wand mit dem Firmenlogo | REUTERS

Vorgehen gegen Didi China erhöht Druck auf Tech-Konzerne

Stand: 07.07.2021 10:06 Uhr

Das Vorgehen gegen den Fahrdienstvermittler Didi zeigt, dass Chinas Behörden Tech-Konzerne ins Visier nehmen. Die Absichten der Regulierer sind schwer zu durchschauen. Doch die Branche spürt den Druck.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Mehr als vier Milliarden US-Dollar hat Didi Chuxing vor einer Woche in New York eingesammelt - ein starkes Börsendebüt. Doch zwei Tage später ging es Schlag auf Schlag: Die Behörden in Peking kündigten überraschend an, den nach Uber zweitgrößten Fahrdienstvermittler der Welt wegen Gefährdung von Chinas Cybersicherheit zu überprüfen. Dann flog die Didi-App aus den chinesischen App-Stores. Seitdem ist die Aktie auf Talfahrt, die Anleger sauer.

Ruth Kirchner ARD-Studio Peking

"Deutliches Signal an die gesamte Branche"

Nach der kurzfristigen Absage des Börsengangs der Alibaba-Tochter Ant Group im vorigen Winter ist dies ein weiterer Schlag gegen ein großes Tech-Unternehmen. "Didi neben Alibaba, Tencent und Baidu - das sind die Lieblinge der chinesischen Tech-Industrie", sagt Analyst Zennon Kapron, dessen Unternehmensberatung Büros in Singapur und Shanghai hat. "Das Vorgehen der Regierung ist ein sehr deutliches Signal an die gesamte Branche. Das ist vermutlich der Beginn eines weiteren Crackdowns gegen die großen Tech-Unternehmen."

Offiziell wird Didi ein zu laxer Umgang mit Kundendaten vorgeworfen. Der Fahrdienstvermittler ist Platzhirsch in China, vermittelt jeden Tag 20 Millionen Fahrten, hat eine halbe Milliarde aktive Nutzer.

Die Datensammelwut des Pekinger Konzerns nervt auch viele Chinesinnen und Chinesen. "Wenn es stimmt, dass Didi unsere persönlichen Daten weitergibt, dann ist das Vorgehen der Regierung richtig, dann sollte die Firma härter bestraft werden", sagte ein junger Mann in Shanghai der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich hoffe, dass die Regierung mehr tut, um unsere Daten zu schützen", ergänzte ein Frau.

Kontrolle der Tech-Konzerne verstärken

Ob es der Regierung tatsächlich um Datenschutz geht, ist allerdings gar nicht klar. Eher scheint es das Ziel zu sein, die mächtigen Tech-Konzerne, die lange schalten und walten konnten, wie sie wollten, an die Kandare zu nehmen.

"China kann viel schneller einschreiten als andere Länder", sagt Analyst Kapron. "So etwas wie das Löschen der Didi-App aus den App Stores hätte in den USA vermutlich viele Wochen gedauert und wäre öffentlich abgelaufen - aber China macht das sofort."

Ein Monitor mit der an an der New Yorker Börse dort gehandelten Didi-Aktie

Ob der Didi-Börsengang in New York mit zur Entscheidung der chinesischen Regierung beigetragen hat, ist unklar.

Börsengang in den USA als mögliches Problem

Spekuliert wird auch, ob es einen Zusammenhang mit dem Börsengang in New York gibt - zumal die chinesischen Behörden seit Anfang der Woche gegen drei weitere Internetfirmen vorgehen, deren Aktien neuerdings in den USA gehandelt werden. Chinesische Kommentatoren weisen einen Zusammenhang zurück. Es gehe nicht um einen Rachefeldzug.

Aber es ist kein Geheimnis, dass der chinesischen Regierung Börsengänge in Shanghai oder Hongkong lieber sind als in New York. In Medienberichten heißt es außerdem, Didi sei mit seinem Börsengang vorgeprescht, habe nicht abgewartet, bis auch die Cybersicherheitsbehörde in Peking grünes Licht gegeben habe. Vorgeschrieben war das bislang nicht. Aber Chinas Aufsichtsbehörden wollten demnach mit ihrer Untersuchung zeigen, dass sie das Sagen haben.

Zudem wurden gestern die Regeln geändert: China will Börsengänge im Ausland künftig strenger kontrollieren. An der New Yorker Börse wiederum hat das Vertrauen in chinesische Tech-Konzerne erst einmal einen deutlichen Dämpfer erhalten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juli 2021 um 15:10 Uhr.