Eine Bohrinsel im Südchinesischen Meer | dpa

Hoher Ölpreis Auch China will an die Reserven

Stand: 22.11.2021 14:43 Uhr

Auch in China plant die Staatsführung, die gelagerten Ölreserven des Landes anzuzapfen. Hintergrund sind die gestiegenen Preise. Viel bekannt ist über die staatlichen Ölreserven der Volksrepublik nicht.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

2020 war ein außergewöhnliches Jahr - auch auf den internationalen Öl-Märkten. Als sich im Frühjahr 2020 das Coronavirus von China aus über alle Grenzen hinweg ausbreitete, sorgte das für Unsicherheit an den Finanz- und Rohstoffmärkten. Aktienkurse sanken, ebenso die Preise für Erdöl. Chinas Staats- und Parteiführung machte sich das zu Nutze. Sie ließ Erdöl in großen Mengen zu günstigen Preisen kaufen. Längst nicht alles wurde verbraucht. Riesige Mengen Rohöl flossen damals, im Frühjahr vergangenen Jahres, in die staatlichen Erdöl-Lagertanks.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Größe der Vorräte unklar

Nach einer Analyse der kanadische Investmentbank RBC Capital Markets kaufte und bunkerte die Volksrepublik im Frühjahr 2020 so viel Erdöl, dass damit rund zwei Jahre des gesamten Ölverbrauch des Landes hätte abgedeckt werden können. Als Erdöl vor einem Jahr im Laufe des Herbstes wieder teurer wurde, hat Chinas Führung nach Angaben von Analysten des US-Finanzdienstleisters Bloomberg auch wieder Öl verkauft und somit gute Gewinne gemacht. Seitdem soll Chinas Rohöl-Vorrat wieder drastisch gesunken sein.

Genaues ist allerdings unklar. Denn während andere Staaten monatlich Zahlen zu ihren Ölbeständen veröffentlichen, behandelt Chinas Führung das Thema als Staatsgeheimnis. Seit 2019 haben chinesische Behörden nichts mehr zu den Öl-Beständen des Landes mitgeteilt.

Bemerkenswerte Kooperationsbereitschaft

Deswegen ist es bemerkenswert, dass Chinas Staats- und Parteiführung nun überhaupt bereit war, über das Anzapfen der staatlichen Erdöl-Reserven zu sprechen. Mit dem Schritt sollen die Preise gedrückt und so die Inflation gesenkt werden. Eine Sprecherin der zuständigen chinesischen Behörde sagte Mitte vergangener Woche der Nachrichtenagentur Reuters, dass man daran arbeite, Rohölreserven freizugeben. China spricht sich auch mit anderen Staaten ab, unter anderem mit den Regierungen in Indien, Japan, Südkorea und den USA.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2021 um 13:54 Uhr.