Arbeiter auf einer Baustelle in Shenzhen, China | picture alliance / Xinhua News A

Chinesische Wirtschaft Weitere Immobilienfirmen in der Krise

Stand: 11.10.2021 16:51 Uhr

Die Krise des Evergrande-Konzerns in China weitet sich zunehmend auf die Branche aus. Ein Immobilienentwickler setzt den Handel mit seinen Anleihen aus. Und noch ein anderes Unternehmen wankt.

Nach dem Evergrande-Konzern geraten auch weitere chinesische Immobilienunternehmen immer stärker in die Krise. Der Immobilienentwickler Fantasia setzte heute den Handel mit seinen Anleihen in Shanghai aus. In der vergangenen Woche war bereits seine Kreditwürdigkeit herabgestuft worden. Das Papier soll nur noch nach Verhandlungen den Besitzer wechseln. Inzwischen wurde auch bekannt, dass eine Fantasia-Tochter einen Kredit in Höhe von über 100 Millionen Dollar an den Immobilienmanager Country Garden Services nicht zurückzahlen konnte.

Zuvor hatte die Ratingagentur China Chengxin International Credit Rating die Titel herabgestuft. Zwei Fantasia-Bonds waren bereits am Freitag vom Handel ausgesetzt worden. Die Muttergesellschaft Fantasia Holdings hatte Anfang Oktober die Frist für eine Anleiherückzahlung über 206 Millionen Dollar verstreichen lassen und war daraufhin von der Ratingagentur Fitch auf "CCC" herabgestuft worden. Seitdem haben die meisten Anleihen von Fantasia rund 80 Prozent an Wert verloren.

Investoren rüsten sich für Zahlungsausfälle

Auch Modern Land, ebenfalls ein chinesischer Immobilienentwickler, strauchelt. Das Unternehmen teilte mit, man wolle bei Investoren darum bitten, die Rückzahlung für ausstehende Anleiheschulden zu verschieben. Die Dollar-Anleihe wird am 25. Oktober fällig. Die auf dem chinesischen Markt eher kleine Immobilienfirma teilte mit, man wolle eine Zahlungsunfähigkeit vermeiden.

Damit zieht die Krise um die Immobilienfirma Evergrande immer weitere Kreise. Investoren bereiten sich auf unmittelbar bevorstehende Zahlungsausfälle vor, Börsianer sorgen sich um die Stabilität der gesamten Branche. Milliardenschwere Anteilsverkäufe sollen Evergrande dabei helfen, seinen Verpflichtungen gegenüber Gläubigern nachzukommen. Doch die Zeit ist knapp: Bis Ende 2021 werden rund 500 Millionen Dollar Zinsen für Anleihen fällig.

Kampf ums Überleben

Durch neue Regeln, mit denen die chinesische Führung den Schuldenabbau vorantreiben will, war der Konzern ins Straucheln geraten. Seine Verbindlichkeiten sind fast fünfmal so hoch wie das eingesetzte Eigenkapital. Lange wirkten die hohen Schulden und die Investitionen der Immobilienbranche wie ein Aufputschmittel für die chinesische Wirtschaft. Der Sektor mitsamt der dazugehörenden Dienste macht rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Umso gravierender könnten nun die Folgen der Krise für China sein.

Für viele nicht-staatliche chinesische Immobilienentwickler gehe es nun darum, die nächsten drei Monate zu überleben, meint Immobilienanalyst Cai Hongfei vom Brokerhaus Central Wealth Securities: "Sie auf ihren Rückzahlungsplan in sechs bis zwölf Monaten anzusprechen ist eine Frage, die sie schlichtweg nicht beantworten können."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.