Medizinisches Personal in Schutzausrüstung geht am Quarantänebereich in Shanghai, China, vorbei. | EPA

Geschäftsklima Chinas Ruf bei EU-Firmen leidet

Stand: 20.06.2022 15:39 Uhr

Für europäische Unternehmen wird China immer weniger attraktiv. Größte Belastung für die Firmen sind nach einer Umfrage der Europäischen Handelskammer die harten Corona-Maßnahmen.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

Das vergangene Jahr lief für die europäischen Unternehmen in China finanziell gut. Doch der Krieg in der Ukraine und die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus in China änderten den Kurs. Knapp zwei Drittel der Unternehmen gaben in einer Umfrage der Europäischen Handelskammer an, dass die Geschäfte in China schwieriger geworden seien.

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

Während der Rest der Welt in der Pandemie zur Normalität zurückkehrt, ist das in China nicht der Fall. Lockdowns, Massentests, Reisebeschränkungen beeinträchtigen die Geschäfte von Unternehmen. Bettina Schön-Behanzin, Vize-Präsidentin der Europäischen Handelskammer, sieht kaum eine Perspektive, dass sich das bald ändert.

"Da China bisher keine Exit-Strategie formuliert hat, gehen wir davon aus, dass China offensichtlich für die nächsten Monate, vielleicht Jahre daran festhält", sagt Schön-Behanzin. Es sei schwierig für Firmen, wenn man nicht nach China reisen könne oder es im Land lebenden Ausländern sehr erschwert werde, die Volksrepublik wieder zu verlassen. "So kann man eigentlich hier keine Geschäfte machen."

Geschäfte kaum planbar

Die Europäische Handelskammer appelliert an die chinesische Staats- und Parteiführung, auf Impfungen zu setzen - nur das sei die Lösung. Doch China lässt keine großen Impfkampagnen erkennen. Stattdessen schweben jederzeit mögliche Lockdowns wie ein Damoklesschwert über den Unternehmen. Lockdowns bedeutet in China, dass Mitarbeiter in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt sind und Fabriken und Bürogebäude teils für mehrere Tage oder gar Wochen abgeriegelt werden.

Die Unsicherheit ist dadurch groß, Geschäfte sind kaum planbar. "Das führt in vielen Unternehmen dazu, dass die Headquarters ihre China-Strategie überdenken und auch entsprechend ihre künftige Positionierung", sagt Schön-Behanzin. Das heiße nicht, dass die Unternehmen sich aus der Volksrepublik zurückziehen. "Aber wenn es um künftige Investitionen geht, dann überlegen sie, sich breiter aufzustellen und nicht mehr alle Eier in einen Korb zu werfen und sich unabhängiger von China zu machen."  

Dabei gehe es auch darum, das China-Geschäft zu isolieren. Das heißt: Lieferketten nach China zu verlagern und im Land für den chinesischen Markt zu produzieren. Mit immer mehr chinesischem Personal. Wenn die Unternehmen ihre China-Geschäfte derart entkoppeln, so die Hoffnung, sollten sie künftig weniger anfällig sein für geopolitische Schocks.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juni 2022 um 14:34 Uhr.