Ein Cosplay-Fan posiert für ein Foto vor dem Logo von Tencent Games | REUTERS

Gaming-Branche China will "geistiges Opium" bekämpfen

Stand: 04.08.2021 12:52 Uhr

Chinas KP geht seit Monaten gegen die Macht der Tech-Konzerne vor, nun haben sich die Behörden die Computerspiele-Industrie vorgenommen - mit Folgen für die Aktienkurse der Unternehmen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Büro Shanghai

In China wird dieser Tage wieder einmal deutlich, wer in der Wirtschaft das Sagen hat - ausdrücklich auch in der Privatwirtschaft: Es ist die kommunistische Staats- und Parteiführung. Eine staatliche Wirtschaftszeitung hatte gestern Computer- und Smartphone-Spiele als, so wörtlich, "geistiges Opium" beschrieben. Exzessives Computerspielen sei schädlich für die Entwicklung von Kindern, heißt es in dem Artikel. Zitiert wurden Experten, die eine schärfere Regulierung der chinesischen Computerspiele-Industrie fordern. Auch wenn der Online-Artikel bereits nach wenigen Stunden überarbeitet und entschärft wurde: Die Botschaft der staatlichen Wirtschaftszeitung verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Börsenkurse von Firmen, die mit dem Thema Gaming ihr Geld verdienen, brachen ein.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Nur noch eine Stunde Zocken pro Tag

Allen voran der Kurs von Tencent: Das Papier des größten Computerspiele - und Socialmedia-Konzerns der Volksrepublik verlor zeitweise mehr als zehn Prozent. Innerhalb weniger Stunden kündigte Tencent neue Regeln an: Wer unter 18 ist, kann künftig nur noch eine Stunde pro Werktag zocken, an Wochenenden zwei Stunden am Tag. Das ist technisch relativ einfach umsetzbar in China, weil sich alle, die Smartphone-Spiele nutzen, mit den Personalausweisdaten anmelden müssen.

Heute hat sich die Tencent-Aktie im Handel an der Hongkonger Börse wieder etwas erholt. Die Tendenz ist aber klar: Chinas Staats- und Parteiführung greift so deutlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr in die Geschäfte privater Unternehmen ein. Kenny Wen, Analyst der Investmentfirma Everbright Sun Hung Kai, sprach im australischen Sender ABC von "großer Unsicherheit" für Investoren in den betroffenen Branchen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 28. Juli 2021 um 10:54 Uhr.