Containerterminal in Qinzhou, China | dpa

Exporte aus China Ohne Container wird es eng

Stand: 19.02.2021 08:53 Uhr

Chinas Wirtschaft stützt derzeit den Rest der Welt. Die Nachfrage nach chinesischer Ware ist riesig, sodass der anhaltende Mangel an Frachtcontainern zu einem immer ernsteren Problem wird.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Fabrik des deutschen Kaffeemaschinenherstellers Melitta in der südchinesischen Stadt Shenzhen ist gut ausgelastet. Auf mehreren Stockwerken bauen rund 350 Arbeiterinnen und Arbeiter Kaffeemaschinen zusammen, die vor allem nach Europa geliefert werden. Dort arbeiten coronabedingt viel mehr Menschen als sonst von zu Hause aus, entsprechend trinken sie daheim auch mehr Kaffee - der Bedarf nach Kaffeemaschinen ist in der Covid-Krise gestiegen. Melitta profitiert davon.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Andererseits aber ist für das Unternehmen durch die Pandemie ein neues Problem entstanden: Es sei so teuer wie noch nie, die in China gebauten Maschinen nach Europa zu liefern, sagt der Shenzhener Werksleiter Guido Maune. "Vor einem Jahr haben wir ungefähr 1000 US-Dollar für einen Container bezahlt. Jetzt sind es in Spitzenzeiten bis zu 10.000 US-Dollar. Das hat kostenmäßig einen massiven Einfluss auf unser Werk."

Die Mehrkosten bei der Fracht bleiben meistens bei den Firmen hängen. Unternehmen, die in China Ware für den Weltmarkt produzieren, wollen die gestiegenen Preise in der Regel nicht an die Kundschaft weitergeben - so auch Melitta.

Frachtpreise rasant gestiegen

Vergangenen März, zum Höhepunkt der Covid-Krise in China, lagen die weltweiten Frachtpreise noch auf einem Rekordtief. Seitdem haben sich die Kosten für einen Container, der zum Beispiel von Shanghai nach Europa verschifft wird, im Durchschnitt verfünfeinhalbfacht. Das geht aus Zahlen der Shanghai Shipping Exchange hervor, einer Art Vergleichsbörse für Frachtcontainer-Preise. Ulf Reinhardt vom Maschinenbau-Unternehmen ARC Pacific im südchinesischen Foshan erzählt, er sei seit 17 Jahren in China und habe noch nie ein derartig starken und schnellen Anstieg von Transportkosten erlebt.

"Das hat uns alle überrascht, auch meine Kollegen in anderen Firmen haben die gleiche Erfahrung gemacht." Noch könne seine Firma zwar weiter exportieren, aber durch die hohen Kosten ergäben sich Verzögerungen. "Viele unserer Kunden verstehen das, weil sie ähnliche Probleme haben. Aber es bereitet eben Probleme, Projekte termingerecht abzuschließen", sagt Reinhard.

Alter Container zum Preis eines neuen

Bis der weltweite Handel mit Rohstoffen, Bauteilen und Endprodukten wieder so läuft wie vor der Corona-Krise, dürfte es noch dauern. Denn die Pandemie hat die weltweiten Lieferketten gleich in mehreren Bereichen aus dem Takt gebracht. Zum einen ist der Bedarf nach Unterhaltungselektronik, Küchengeräten, Möbeln und Maschinen aus China drastisch gestiegen. Chinesische Spediteure brauchen also viel mehr leere Container, als verfügbar sind.

Weil aber weltweit in den Häfen angesichts der Covid-Hygienevorschriften langsamer gearbeitet wird als sonst, dauert der Rücklauf leerer Container aus den USA und Europa nach Asien viel länger als sonst. Eine Lösung: Neue Container müssen her. Die Hersteller von Frachtcontainern arbeiten auf Hochtouren, und auch der Preis für gebrauchte Container ist in den vergangenen Monaten steil nach oben gegangen.

Normalisierung im Laufe des Jahres?

"Wir haben einige unserer alten Container verkauft für 10.000 Yuan pro Stück", erklärt Sun Rui im Fernsehsender CCTV. Er ist Manager bei der Shanghaier Speditionsfirma Zhonggu Logistics. 10.000 Yuan für einen gebrauchten Container - umgerechnet sind das rund 1300 Euro, "fast so teuer wie ein nagelneuer Container".

Verbessern werde sich die weltweit angespannte Logistik-Situation wohl im Laufe dieses Jahres, sagt Lars Jensen, Gründer der dänischen Speditions-Unternehmensbratung Sea Intelligence Consulting. Im Gespräch mit der ARD erklärt er das so: Wenn sich der Alltag der Menschen in Europa und den USA wieder normalisiere, werde auch das alte Konsumverhalten zurückkehren. Die Menschen würden dann also wieder weniger Geld ausgeben für Produkte, stattdessen aber wieder mehr für Essen gehen, Kultur, Reisen und andere Dienstleistungen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Februar 2021 um 05:38 Uhr.