Hafen von Shanghai | dpa

Überraschendes Wachstum China bleibt Exportweltmeister

Stand: 13.10.2021 13:26 Uhr

Das anstehende Weihnachtsfest verleiht der chinesischen Wirtschaft bereits jetzt neuen Schwung. Das zeigt sich am ehesten bei den Exporten, die im September überraschend kräftig angestiegen sind.

Trotz des anhaltenden Materialmangels und lokaler Corona-Ausbrüche sind Chinas Exporte im September überraschend um fast 30 Prozent in die Höhe geschnellt. Dies geht aus heute veröffentlichten Zahlen des chinesischen Zolls hervor. Analysten hatten mit einem Zuwachs von knapp 20 Prozent gerechnet. Bereits im August hatten die Exporte die Erwartungen der Experten übertroffen.

Dabei leidet die chinesische Industrie unter wiederholten Stromausfällen, die viele Betriebe zur Drosselung ihrer Produktion zwingen. Durch die Umstellung auf saubere Energie, eine hohe Nachfrage und gestiegene Rohstoffpreise kommt es seit Wochen zu einer extremen Stromknappheit. In der Folge standen die Produktionsbänder in zahlreichen Fabriken still, darunter bei vielen Zulieferern von globalen Konzernen wie Apple und Tesla. Betroffen sind Fabriken in den östlichen Provinzen Guangdong und Zhejiang, beides wichtige Standorte der Exportindustrie.

Weihnachtsgeschäft als Exporttreiber

Die Pekinger Behörden betrachten die gestiegenen Exportzahlen als einen Beweis für die Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sei etwa der Wert der Exporte von elektronischen Geräten um 23 Prozent gestiegen. Dieser Bereich macht rund zwei Drittel der gesamten chinesischen Exporte aus. "Die Exporte haben sich erneut überdurchschnittlich entwickelt", sagte Volkswirt Erin Xin vom Bankhaus HSBC. Seine Vermutung ist, dass das bereits beginnende Weihnachtsgeschäft ein großer Treiber ist.

Chinas Wirtschaft kommt für die konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft nach der Corona-Pandemie eine besondere Rolle zu; auch für viele deutsche Firmen sind Unternehmen in der Volksrepublik ein bedeutender Handelspartner. Denn in westlichen Ländern ist die Sorge groß, durch gestörte Lieferketten Waren bei einer späteren Bestellung nicht mehr rechtzeitig zu bekommen. So klagten im September 74 Prozent der deutschen Einzelhändler laut einer ifo-Umfrage über Lieferprobleme. "Die Beschaffungsprobleme aus der Industrie sind nun auch hier angekommen", sagte der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

Importe aus Deutschland gehen zurück

Dass auch die chinesische Wirtschaft noch nicht auf Hochtouren läuft, zeigt ein Blick auf die Importzahlen. Sie wuchsen langsamer als vorhergesagt mit nur noch 17,6 Prozent, nachdem sie im August um 33,1 Prozent zugelegt hatten. Vor allem aus Deutschland kaufte China auffallend wenig ein. Die Importe gingen im September sogar um 2,4 Prozent zurück, wie aus der Zollstatistik hervorgeht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. September 2021 um 09:00 Uhr.