Menschen in Urumqi protestieren gegen die Corona-Maßnahmen. | Video Obtained via REUTERS

Chinesische Provinz Xinjiang Massive Proteste gegen Corona-Politik

Stand: 26.11.2022 11:36 Uhr

Seit mehr als 100 Tagen befinden sich große Teile der Provinz Xinjiang im Corona-Lockdown. Die Stimmung ist angespannt. Ein Hausbrand hat nun schwere Proteste gegen die Maßnahmen der Regierung ausgelöst.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

In chinesischen Online-Medien haben sich in der Nacht Videos verbreitet, die zeigen, wie Bewohner der Stadt Urumqi, der Hauptstadt des chinesischen Landesteils Xinjiang, auf den Straßen coronabedingte Barrieren durchbrechen und nach einem Ende des Lockdowns rufen. Medienberichte bestätigen, dass es in der Stadt Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gab. Seit mehr als 100 Tagen ist der chinesische Landesteil Xinjiang, der unter anderem Heimat der muslimischen Minderheit der Uiguren ist, wegen Corona abgeriegelt.

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

Feuerwehr von Straßensperren aufgehalten

Auslöser der Proteste war ein Feuer in einem Hochhaus, in dem zehn Menschen ums Leben kamen. Im chinesischen Internet häuften sich Kommentare von Anwohnern, dass die Corona-Maßnahmen die Arbeit der Feuerwehr behindert und verzögert hätten. Auf Videoaufnahmen von chinesischen Staatsmedien war zu sehen, wie Feuerwehrfahrzeuge vor coronabedingten Straßensperren standen, die erst aus dem Weg geräumt werden mussten.

Die Corona-Infektionszahlen in China haben in den vergangenen Tagen Höchststände erreicht. Die chinesischen Behörden vermeldeten zuletzt landesweit etwa 35.000 Neuinfektionen an einem Tag. Das ist der höchste Wert seit Pandemiebeginn vor fast drei Jahren. Verglichen mit anderen Ländern und der großen Bevölkerungszahl in China von 1,4 Milliarden Menschen sind die Infektionszahlen vergleichsweise gering.

Keine Exit-Strategie aus der Null-Covid-Politik

Die chinesische Staats- und Parteiführung hält seit Beginn der Pandemie an einer strikten Null-Covid-Politik fest. Jeder Ausbruch soll mit Kontaktnachverfolgung, Zwangsisolation in zentralen Unterkünften, Ausgangsbeschränkungen in Millionenstädten und Reiseverboten eingedämmt werden. Mehr als 400 Millionen Menschen in China befinden sich nach Schätzungen derzeit in einer Art Lockdown.

Immer wieder gibt es Proteste in verschiedenen Orten, die von den strikten Maßnahmen betroffen sind. Eine Exit-Strategie aus der Null-Covid-Politik gibt es nicht. In China sind Millionen ältere Menschen nicht ausreichend gegen Corona geimpft. Sollte sich das Virus unkontrolliert verbreiten, könnte das Gesundheitssystem zusammenbrechen, so begründet die chinesische Staats- und Parteiführung die strikten Maßnahmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. November 2022 um 12:52 Uhr.