Containerterminal in Qinzhou, China | Bildquelle: dpa

Chinas Wirtschaft Anders als die anderen wieder im Plus

Stand: 15.12.2020 08:57 Uhr

In China ist die Corona-Krise weitgehend überwunden, die Wirtschaft wächst wieder und profitiert dabei vom Export-Boom. Aber viele alte Probleme bleiben ungelöst.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die chinesische Wirtschaft erholt sich weiter. So hat die Industrieproduktion im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um sieben Prozent zugelegt, wie Zahlen der chinesischen Statistikbehörde zeigen. Beim Einzelhandel liegt das Plus demnach bei fünf Prozent. Beide Zahlen entsprechen dem, was internationale Wirtschaftsfachleute erwartet hatten.

"China ist eine der wenigen großen Volkswirtschaften weltweit, die dieses Jahr wachsen wird", freute sich Fu Linghui, der Sprecher der chinesischen Statistikbehörde. Tatsächlich rechnen Wirtschaftsfachleute mit einem Plus von etwa zwei Prozent beim chinesischen Bruttoinlandsprodukt.

China profitiert vom Bedarf an Masken und Schutzkleidung

Zum Vergleich: Der Euro-Raum wird dieses Jahr wohl mit einem Minus von rund acht Prozent beenden. Deutschlands Wirtschaftsleistung wird etwa um fünf Prozent zurückgehen, die der USA um rund vier Prozent.

Die Tatsache, dass Chinas Wirtschaft im selben Zeitraum zulegen kann, bedeutet rein statistisch: Chinas Anteil an der Weltwirtschaft vergrößert sich nun noch schneller als vor Beginn der Corona-Krise erwartet.

Dass China wirtschaftlich zahlenmäßig so gut dasteht, liegt unter anderem am Export-Boom. Im November konnten chinesische Firmen ihre Exporte im Vergleich zum Vorjahr um beeindruckende 21,1 Prozent steigern. Die chinesischen Unternehmen profitieren vor allem vom weltweiten Bedarf nach Corona-Schutzkleidung und Masken. Und: Weil weltweit wegen Covid-19 viel mehr Menschen als sonst von Zuhause arbeiten müssen, ist auch der Run auf chinesische Laptops, Computerzubehör und Kommunikationstechnik ungebrochen. Dass sich an diesem Trend bald etwas ändert, ist nicht abzusehen. Für zusätzlichen Schub sorgte zuletzt das Weihnachtsgeschäft in Europa und den USA.

In den Häfen stapeln sich Container

"Chinesische Firmen springen zurzeit dort ein, wo Exporteure aus anderen Staaten ausfallen, zum Beispiel wegen der weltweiten Lockdowns", sagt Alicia Garcia-Herrero, die für den Asien-Pazifikraum zuständige Chefökonomin der französischen Investmentbank Natixis in Hongkong. "Chinas Firmen gewinnen also zusätzliche Marktanteile. Das bietet echte Chancen für Chinas Wirtschaft."

Chinas Export boomt zurzeit dermaßen, dass die Speditionen mit dem Verschiffen der Ware in alle Welt kaum noch hinterherkommen. In den großen chinesischen Häfen wie Shanghai, Guangzhou und Tianjin stapeln sich inzwischen die Container.

Feindseligkeit gegenüber Corona-Ursprungsland

Dass ausgerechnet das Ursprungsland der Covid-19-Pandemie wirtschaftlich noch stärker als bisher aufholt, hat auch politische Folgen. Von einer regelrechten Feindseligkeit gegenüber China spricht Ökonomin Garcia-Herrero im Gespräch mit dem ARD-Hörfunk. Weltweit sei man sich der Herausforderung China nun viel stärker bewusst als zuvor.

Andere Wirtschaftsexperten weisen in Bezug auf Chinas Wirtschaft noch auf etwas anderes hin: Und zwar darauf, dass die chinesische Konjunktur zurzeit auch deshalb so gut läuft, weil der Staat massiv Geld ausgibt. So hat Chinas kommunistische Führung seit Beginn der Corona-Krise umgerechnet viele Milliarden Euro in neue Straßen, Häfen, Brücken und Industrieparks gesteckt. Auch zahlreiche neue Kohlekraftwerke wurden bewilligt. Allen Klimaschutzversprechen zum Trotz.

Investitionen im öffentlichen Sektor

Das alles treibe zwar das chinesische Bruttoinlandsprodukt nach oben. Doch gesund sei das alles nicht, sagt Michael Pettis, Wirtschaftsprofessor an der Peking-Universität. "Die Covid-19-Krise hat die 'gesunden' Bereiche der chinesischen Wirtschaft sehr beschädigt", sagt er. Der Inlandskonsum und Investitionen seien zurückgegangen. "Um das Wirtschaftswachstum hoch zu halten hat die Staatsführung Geld in die 'ungesunden' Wirtschaftsbereiche gesteckt, also in den öffentlichen Sektor."

Dass der Staat mit geliehenem Geld die Konjunktur belebt, ändert also nichts an den Grundproblemen der chinesischen Wirtschaft: Der Binnenkonsum läuft längst nicht so gut, wie er sollte. Auch haben Chinas Unternehmen weiter Probleme bei Produktivität und Nachhaltigkeit.

Chinas Wirtschaft: Gewinner und Verlierer der Covid-Krise
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
15.12.2020 08:00 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 15. Dezember 2020 Inforadio um 06:37 Uhr und 09:38 Uhr und B5 aktuell um 12:20 Uhr.

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