Ein Fußgänger vor der chinesischen Zentralbank in Peking | REUTERS

Kritik an Kryptowährungen Chinas zwiespältige Haltung zum Bitcoin

Stand: 20.05.2021 10:31 Uhr

Staatliche Stellen in China warnen immer wieder vor den Gefahren der Kryptowährungen. Gleichzeitig lässt die Führung in Peking das Bitcoin-Schürfen zu - wohl auch aus strategischen Gründen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Ihre kritische Haltung gegenüber dem Bitcoin hat Chinas Staats- und Parteiführung in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gemacht. Als erstes großes Land hat China schon 2017 den Handel mit dezentralen Kryptowährungen wie dem Bitcoin verboten. Die staatliche Zentralbank der Volksrepublik und die überwiegend staatsnahen Wirtschaftsexperten warnen regelmäßig.

"Der Grund, warum wir in China Kryptowährungen nicht legalisieren und nicht anerkennen, ist: Wir können ihren Handel nicht regulieren", sagte Dai Xiaobo von der Shanghaier Akademie für Sozialstudien im staatlichen Fernsehsender CCTV. "Sobald die Kryprowährungskurse zu stark schwanken, sind die gesamte Wirtschaft und der Geldmarkt betroffen. Aus Sicht der chinesischen Regierung können Kryptowährungen auch zu Geldwäsche, illegalen Geschäften und Steuerhinterziehung genutzt werden."

Krpyto-Kurse eingebrochen

Drei chinesische Finanzmarkt- und Bankenverbände haben nun noch einmal gemeinsam nachgelegt: Der Umgang mit virtuellen Währungen sei mit großen Risiken behaftet. Man rufe Unternehmen und Verbraucher auf, sich von Kryptowährungen fernzuhalten. Da es sich bei den drei chinesischen Finanzverbänden um staatliche Stellen handelt, hatte die Warnung einen amtlichen Charakter. Der Kurs des Bitcoins und anderer Kryptowährungen brach ein. Nicht nur, aber auch wegen der Warnung aus China.

Worauf Analystinnen und Kryptowährungsexperten aber auch hinweisen: Die chinesischen Behörden warnen zwar immer wieder vor Bitcoin und Co, trotzdem hat die kommunistische Staatsführung keine eindeutige Haltung. Bestes Beispiel ist das so genannte Mining, also das elektronische Erzeugen der virtuellen Währungen. Weltweit würden 60 bis 70 Prozent aller Bitcoins in China erzeugt, sagt Philipp Mattheis, Buchautor und Herausgeber des Bitcoin-Newsletters Blingbling. "Wenn man vonseiten der chinesischen Behörden wirklich mit aller Macht gegen Bitcoin vorgehen wollen würde, dann könnte man das Mining verbieten", so Mattheis. "Das Mining hat solch massive Ausmaße in China, dass da schon längst etwas passiert wäre, wenn die Kommunistische Partei es wollte."

Kontrollanspruch der Kommunistischen Partei

Chinas Staatsführung verfolgt eine mehrspurige Strategie gegenüber dem Bitcoin und anderen virtuellen Währungen. Oberste Priorität hat der absolute Kontrollanspruch der Kommunistischen Führung über Geldmarkt, Währung und Finanzen. Der dezentrale Charakter von Kryptowährungen wie dem Bitcoin widerspricht dem. Gleichzeitig aber erkenne Chinas Staatsführung auch mögliche strategisch-politischen Vorteile des Bitcoins, sagt Mattheis.

"Man weiß, dass der Bitcoin - sollte er weiter wachsen - irgendwann auch einmal den Status des US-Dollars als Weltleitwährung angreifen könnte. Deswegen fährt man in China einen ambivalenten Kurs", sagt Mattheis dazu. "Man lässt einerseits ein bisschen gewähren, andererseits tritt man manchmal auch wieder auf die Bremse, vor allem dann, wenn man Angst hat, dass die chinesischen Verbraucher in eine Art Spekulationsblase hineingezogen werden."

"Weltweiter Spitzenreiter"

Längst arbeitet Chinas staatliche Zentralbank auch an einer eigenen Digitalwährung, dem elektronischen Yuan. Technisch-konzeptionell hat er mit dezentralen Kryptowährungen nichts zu tun. Aber er soll Verbrauchern und Unternehmen in China eine Alternative zu Bitcoin und Co. bieten - hundertprozentige staatliche Kontrolle aller Transaktionen inklusive.

Grundsätzlich tut sich im Bereich digitale Finanzdienstleistungen, Fintech und eben auch digitale Währungen in China seit Jahren sehr viel. Staat und Wirtschaft haben erkannt, dass sich damit sehr viel Geld verdienen und Innovationen vorantreiben lassen. China habe sich im Finanzsektor "von einem sehr rückständigen Ort zu einem weltweiten Spitzenreiter entwickelt", sagt Martin Chorzempa vom Peterson Institute for International Economics in Washington, DC.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Mai 2021 um 13:41 Uhr.