Wirtschaft in China: Containerschiff im Hafen von Qingdao | AP

Rückenwind für Weltwirtschaft Chinas Außenhandel boomt

Stand: 13.07.2021 10:29 Uhr

Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt haben im Juni überraschend kräftig zugelegt. Dass Chinas Wirtschaft die Pandemie weitgehend hinter sich gelassen hat, hilft der Weltwirtschaft genauso wie deutschen Firmen.

Um fast ein Drittel haben die Ausfuhren aus China im vergangenen Monat gegenüber dem Juni 2020 zugelegt. Laut der Statistik der chinesischen Zollbehörde stiegen die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft im Vorjahresvergleich um 32,2 Prozent auf rund 281 Milliarden Dollar. Nach einer Zuwachsrate von 28 Prozent im Mai beschleunigte sich damit der Anstieg der Ausfuhren erneut und übertraf damit die Erwartungen von Experten deutlich.

Die Volksrepublik importierte aber auch deutlich mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Davon profitierten auch die deutschen exportorientierten Konzerne. Die Einfuhren Chinas nahmen sogar um 36,7 Prozent auf rund 230 Milliarden Dollar zu. Das Plus bei den Importen lag damit niedriger als im Vormonat Mai, als noch ein Anstieg von 51 Prozent gemeldet wurde. Ein Sprecher der chinesischen Zollbehörde, Li Kuiwen, sagte dazu, im internationalen Handel gebe es weiterhin "instabile und ungewisse Faktoren".

Restriktive Krisenpolitik zahlt sich aus

Chinas schnelle Konjunkturerholung steht im Zusammenhang mit einer restriktiven Strategie in der Corona-Krise. Offiziell verfolgt die Regierung in Peking eine "Null-Covid-Strategie", die Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung, Quarantäne und strenge Einreisebeschränkungen beinhaltet. Die offiziellen Neuinfektionszahlen sind so niedrig, dass die errechnete 7-Tage-Inzidenz bei 0,0 liegt. Darauf aufbauend läuft die Wirtschaft wieder weitgehend normal, was sich nun besonders stark im Außenhandel zeigt, während die Ausgaben der chinesischen Verbraucher derzeit noch weniger deutlich wachsen.

So stiegen chinesische Exporte in die USA stiegen um 17,8 Prozent auf 46,9 Milliarden Dollar, Importe aus den USA 37,6 Prozent auf 14,3 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr. Die chinesischen Ausfuhren in die EU wuchsen um 27 Prozent auf 43,1 Milliarden Dollar (36,3 Milliarden Euro). Importe aus Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Ländern kletterten um 34,1 Prozent auf 27,7 Milliarden Dollar.

Wichtiger Absatzmarkt für deutsche Wirtschaft

Auch deutsche Unternehmen profitierten im Juni weiter von der hohen Nachfrage aus der Volksrepublik. Für Autokonzerne, aber auch Unternehmen aus der Maschinenbau-Branche ist China längst der wichtigste Absatzmarkt weltweit. Der Pekinger Zollbehörde zufolge stiegen die deutschen Ausfuhren nach China im Vorjahresvergleich um 28,6 Prozent. Chinas Exporte nach Deutschland legten um 26,9 Prozent zu.

Die EU kann nach aktuellen Prognosen der EU-Kommission mit einem Wachstum von 4,8 des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr rechnen. EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni hatte erst in der vergangenen Woche die Vorhersage angehoben. Er rechnet mit einem "starken Comeback" der Gemeinschaft nach der Corona-Krise. Dabei spielt neben dem wachsenden Außenhandel mit China aber auch der starke private Konsum innerhalb der EU eine wichtige Rolle.

Außenhandel soll sich "normalisieren"

Für China rechnet die chinesische Zollbehörde nach dem rasanten Anstieg in den vergangenen Monaten damit, dass sich das Wachstum des Außenhandels in der zweiten Jahreshälfte "normalisieren" dürfte. Es bestünden zudem Unsicherheiten, wie sich die Pandemie rund um die Welt entwickeln werde. Über das Gesamtjahr geht die Behörde aber weiterhin von einem kräftigen Zuwachs beim Handel aus. Der Rückenwind bleibt damit auch der EU und Deutschland erhalten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2021 um 11:00 Uhrin den Nachrichten.