Rohrleitungen zu den unterirdischen Speichern sind auf dem Gelände eines Erdgasspeichers | picture alliance/dpa

"Sicherheitsplattform Gas" Bundesnetzagentur startet Firmenbefragung

Stand: 03.05.2022 08:21 Uhr

Ende März aktivierte Deutschland den Notfallplan Gas. Aktuell bereitet die Bundesnetzagentur deswegen eine Sicherheitsplattform Gas vor. Dazu startet heute eine Abfrage bei den größten Gasverbrauchern.

Von Tobias Al Shomer, WDR

Ganz wichtig: Aktuell brauche sich niemand Sorgen um die Gasversorgung zu machen, sagt der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Zum jetzigen Zeitpunkt hätte eine Beendigung des russischen Gasimportes keine unmittelbaren Konsequenzen, weil es andere Quellen gebe und sich auch noch etwas Gas in den Speichern befinde. Aber, so der Behördenchef: "Wir würden dann von den Reserven zehren und hätten nicht genug Gas für den nächsten Winter."  

Genaueste Betrachtung der Lieferketten

Deshalb bereitet sich die Bundesnetzagentur auf den Fall des Gasmangels vor und baut eine Plattform auf, die im Ernstfall die Gasversorgung regelt. Dazu werden von heute an Daten bei den 2500 größten Gasverbrauchern abgefragt. So soll ermittelt werden, wer wie viel Gas im Notfall bekommt. Netzagentur-Chef Müller nennt das ein umfassendes Verfahren. "Wir müssen regionale Bedürfnisse berücksichtigen: Was gilt im Norden, Süden, Osten, Westen Deutschlands?", erläutert er die Vorgehensweise.

"Gas ist ja nicht übermaßen gleich verfügbar. Wir müssen abschätzen: Wo fehlt uns das in der Lieferkette? Wenn Sie Medizinprodukte herstellen, brauchen Sie eine Verpackung, brauchen Sie Glas, um es hygienisch transportieren zu können." All das müsse man abschätzen können, für den Fall einer Gasnotlage, von der alle hofften, dass sie niemals eintrete, so Müller.

"Die europäische Rechtslage ist klar"

Zuletzt gab es die Debatte, ob die Industrie nicht doch vor Privathaushalten priorisiert werden solle. Müller hält das für unrealistisch, denn die Gasversorgung sei auf europäischer Ebene geregelt. Da heißt es: erst private Haushalte, dann die Industrie. "Die europäische Rechtslage ist klar", so der Behördenchef. "Ich glaube, niemand wird die zur Zeit ändern. Darum bringt eine solche Diskussion nichts. Es verunsichert alle nur. Darum ist sie nicht hilfreich."

Der Plan der Bundesregierung: Flüssiggas - kurz LNG - soll die Abhängigkeit verringern. Dafür sollen schon bis Ende des Jahres zwei schwimmende LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel anlanden können. Doch nicht nur die Terminals seien wichtig, erklärt Müller, sondern auch deren Anbindung ans Netz per Pipeline.

 "Entscheidend ist für schwimmende Flüssiggas-Terminals, sie am Land trotzdem anzuschließen. Sie müssen das Gas, was dann wieder gasförmig wird, weiter transportieren können." Hier fehlten ein paar Kilometer, so Müller. "Zur Zeit sind sehr viele dabei - die Länder, die Gasnetzbetreiber, die Bundesnetzagentur, die Aufsichtsbehörden - das in diesem Jahr noch zu ermöglichen, damit wir in diesem Winter davon profitieren können."

Speicher unterschiedlich schnell füllbar

Das Flüssiggas soll auch zur Auffüllung der Gasspeicher dienen. Aktuell ist der Füllstand des größten deutschen Speichers bei unter 0,5 Prozent - und die Zeit, diese bis zum Winter voll zu bekommen, wird knapp, denn selbst wenn es gelänge, genug Gas zu bekommen: Das Auffüllen dauert. "Es kommt sehr auf den Gasspeicher an", erklärt Müller. "Sie haben Kavernen-Speicher, die können schnell gefüllt werden. Sie haben aber Poren-Speicher, und der größte deutsche Speicher ist ein solcher Poren-Speicher. Da brauchen Sie ungefähr vier Monate, um ihn zu befüllen, allein aus technisch-physikalischen Gründen."

Bis Mitte Mai läuft die Befragung der Bundesnetzagentur bei den Groß-Gasverbrauchern. Bis Oktober soll die Sicherheitsplattform stehen, die im Ernstfall die Gasversorgung regelt. Doch noch hoffen alle, dass es so weit nie kommen wird.