Lastwagen stehen in Dover in der Warteschlange zur Grenzabfertigung | REUTERS

Wegen Corona und Brexit Britische Wirtschaft schrumpft

Stand: 12.05.2021 11:15 Uhr

Der Lockdown und der endgültige Brexit haben die britische Wirtschaft zu Jahresbeginn hart getroffen. Das Bruttoinlandsprodukt sank im ersten Quartal deutlich. Der Handel mit der EU brach massiv ein.

Die britische Wirtschaftsleistung ist im ersten Quartal deutlich gesunken. Sie lag zwischen Januar und März 1,5 Prozent niedriger als im Schlussquartal 2020 sowie 6,1 Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals 2020, wie das britische Statistikamt mitteilte. Gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt des Zeitraums Oktober bis Dezember 2019 - das ist das letzte Quartal ohne Auswirkungen der Corona-Pandemie - schnitt die britische Wirtschaft zu Beginn des laufenden Jahres um 8,7 Prozent schwächer ab.

Die Entwicklung in Großbritannien begründen Experten in erster Linie mit den Einschränkungen infolge der Pandemie-Bekämpfung. Vor allem der wochenlange Lockdown und die Folgen für den Einzelhandel und den privaten Konsum zeigten hier Wirkung. Aber auch die Unternehmen investierten weniger.

Brexit lässt Handel mit EU einbrechen

Der endgültige Brexit schlug sich ebenfalls in den Zahlen nieder. Seit Anfang 2021 gilt das erst an Weihnachten ausgehandelte Handels- und Kooperationsabkommen mit der EU, das für Unternehmen zahlreiche Änderungen und oft einen höheren bürokratischen Aufwand mit sich bringt. Die schwächelnden Ausfuhren nach Europa, dem wichtigsten Markt für britische Exporteure, gelten als Bremsklotz.

In den Monaten Januar bis März brachen die Exporte in die EU-Staaten um 18,1 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2020 ein. Die Importe aus der EU schrumpften im gleichen Zeitraum sogar um 21,7 Prozent. Das hatte zur Folge, dass erstmals seit Beginn der Statistik im Jahr 1997 Großbritannien mehr Waren aus Nicht-EU-Ländern einführte als aus EU-Staaten.

Starkes Wirtschaftswachstum 2021 erwartet

Die britische Wirtschaft war 2020 wegen der Corona-Krise um fast zehn Prozent eingebrochen - doppelt so stark wie die deutsche. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für das laufenden Jahr allerdings mit einer kräftigen Erholung: 2021 werde das Bruttoinlandsprodukt um mehr als fünf Prozent wachsen, schätzt der IWF. Die britische Zentralbank schraubte ihre Konjunkturprognose in der vergangenen Woche sogar nochmals deutlich nach oben und geht nun von einem Wirtschaftswachstum von 7,25 Prozent aus.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 28. April 2021 um 16:24 Uhr.