Exitschild und britische Fahne

Brexit-und Corona-Folgen Die britische Exportwirtschaft leidet

Stand: 12.03.2021 11:24 Uhr

Die Pandemie und der Brexit hinterlassen tiefe Spuren: Die britischen EU-Exporte sind zu Jahresbeginn eingebrochen. Angekündigte Importkontrollen werden nach Klagen der Unternehmen verschoben.

Kurz nach Vollendung des Brexits sehen die aktuellen britischen Konjunkturdaten ernüchternd aus. Bei den Exporten in die Europäische Union kam es im Januar zu einem heftigen Rückgang um 40,7 Prozent, wie das Statistikamt ONS mitteilte. Die Importe verringerten sich um rund 29 Prozent. Der Einbruch sei gemessen an Preisen und Umfang "der größte Rückgang in einem Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Januar 1997", erklärte die Statistikbehörde.

Insgesamt schrumpften die Ausfuhren ohne die Berücksichtigung von Edelmetallen um 19, 3 Prozent. Der Rückschlag ist nicht nur eine Folge des Brexits, auch die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wirken dämpfend auf die Wirtschaftsleistung.

Wirtschaftsleistung sinkt

Das zeigen auch die aktuellen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im Monatsvergleich ist die Wirtschaftsleistung laut ONS im Januar um 2,9 Prozent gesunken. Analysten waren von einem noch stärkeren Rückschlag ausgegangen und hatten im Schnitt mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,9 Prozent gerechnet.

Außerdem meldete das britische Statistikamt einen Rückgang der Industrieproduktion im Januar um 1,5 Prozent verglichen mit dem Dezember. Das ist deutlich schärfer, als Fachleute erwartet hatten. In Deutschland war der Rückgang im Januar mit minus 2,5 Prozent noch stärker ausgefallen. Zuvor hatte es aber acht Wachstumsmonate in Folge gegeben.

Vollständige Zollkontrollen erst ab 2022

Beschwerden von Unternehmen haben dazu geführt, dass die britische Regierung die angekündigten Importkontrollen um ein halbes Jahr verschiebt. Die Einführung vollständiger Zollkontrollen werde erst zum Januar 2022 vollzogen, teilte die Regierung mit.

"Dies wird den Unternehmen mehr Zeit geben, sich auf Veränderungen an der Grenze vorzubereiten und Störungen zu minimieren, wenn die Wirtschaft allmählich wiedereröffnet wird", hieß es zur Begründung. Man habe die Klagen von Geschäftsleuten gehört, die mehr Zeit bräuchten, hatte David Frost, der Minister für EU-Angelegenheiten, mitgeteilt.

Britische Wirtschaftsverbände begrüßten den Schritt. Auch aus Deutschland kam Zustimmung. Großbritannien hatte eine sechsmonatige Übergangsphase für Zollkontrollen nach dem endgültigen Brexit angekündigt. Seit dem Austritt des Landes aus der EU-Zollunion gibt es zahlreiche Zollhürden und Handelshemmnisse.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2021 um 11:00 Uhr.