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Folgen des Brexits Briten zahlen viel mehr für Zölle

Stand: 13.09.2021 14:33 Uhr

Experten haben die konkreten Brexit-Kosten für britische Verbraucher und Firmen errechnet. Allein im ersten Halbjahr mussten sie für importierte Waren aus der EU umgerechnet 2,6 Milliarden Euro an Zollgebühren zahlen.

Mit dem Brexit eingeführte Zölle auf viele Importwaren aus der EU belasten Verbraucher und Unternehmen in Großbritannien. Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft UHY Hacker Young sind von Januar bis Juli insgesamt 2,2 Milliarden britische Pfund an Zollgebühren fällig geworden. Das sind umgerechnet 2,6 Milliarden Euro - und über 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Wirtschaftsprüfer berufen sich dabei auf Daten der britischen Regierung.

"Unmengen an Papierkram"

Die höheren Kosten bedeuten eine weitere Belastung der britischen Wirtschaft, die bereits die Folgen der Pandemie zu bewältigen hat. Strengere Einreiseregeln nach dem Brexit hatten zudem den Mangel an Fachkräften verschäft. Die neuen Formalitäten bei der Einfuhr haben den Warenimport komplizierter und aufwändiger gemacht. "Britische Unternehmen haben nicht genügend Zeit oder Hilfe erhalten, um sich auf die Kosten des Brexits oder die Unmengen an Papierkram vorzubereiten", sagte UHY-Expertin Michelle Dale.

Die größten Probleme gibt es durch die die sogenannten Ursprungsregeln ("rules of origin"). Diese führen dazu, dass Zölle auf Waren aus der EU fällig werden, die ursprünglich außerhalb der Gemeinschaft hergestellt wurden - zumindest in Teilen. Für Unternehmen kann es schwierig sein, einen ausreichenden Nachweis über den Ursprung von Waren zu erbringen. Häufig bezahlen Firmen der Einfachheit die Zölle, um Verzögerungen zu vermeiden.

Ab Oktober könnten weitere Probleme beim Handel mit der EU drohen, weil dann ein neues Importverbot für verschiedene Lebensmittel wie gekühltes Hackfleisch greift. Die Folge könnten lange Warteschlangen an den Grenzen sein, warnten die Wirtschaftsprüfer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Wirtschaft und Gesellschaft" am 13. September 2021 um 17:05 Uhr.