Eine Spritze wird mit dem Impfstoff Sputnik V aufgezogen. | picture alliance/dpa/TASS

Daten zum Impfstoff bemängelt Brasilien lehnt Sputnik V ab

Stand: 27.04.2021 10:40 Uhr

Brasilien ist derzeit von der dritten Pandemie-Welle stark betroffen. Dennoch hat sich die nationale Gesundheitsbehörde gegen eine Einfuhr des russischen Impfstoffs Sputnik V ausgesprochen.

Brasiliens nationale Behörde für Gesundheitsüberwachung (Anvisa) lehnt eine Einfuhr des russischen Covid-Vakzins Sputnik V ab. Es mangele an "konsistenten und zuverlässigen Daten", teilte die Behörde mit. Die Entscheidung sei nach rund fünfstündigen Beratungen einstimmig gefallen. Anvisa-Direktor Alex Machado Campos betonte allerdings, der Beschluss sei nur eine Momentaufnahme.

Die Anvisa hat nach eigenen Angaben "Unzulänglichkeiten" sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Herstellung des Impfstoffes festgestellt, der auf der sogenannten Vektortechnik basiert. Dies schließe alle drei Phasen der klinischen Tests des Präparats ein. Zudem gebe es keine oder nur unzureichende Daten zur Qualitätskontrolle, Sicherheit und Wirksamkeit.

Brasilianische Bundesstaaten fordern Sputnik V

Damit tritt die Behörde der Bitte von 14 Bundesstaaten in Brasilien entgegen, die um eine Einfuhr des russischen Vakzins gebeten hatten. In Brasilien haben sich laut dem Gesundheitsministeriums bislang als 14 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, rund 390.000 sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

In Indien, das derzeit mit einer Corona-Mutante kämpft und unter hohen Neuinfektionszahlen leidet, könnte Sputnik V schon bald eingesetzt werden. Dort hat Sputnik V eine Notzulassung erhalten. Russischen Medien zufolge soll am Samstag eine erste Lieferung des Sputnik-V-Impfstoffes in Indien ankommen.

Auch in der EU ist Sputnik V eine Option

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte Anfang März ein Prüfverfahren für Sputnik V im Zuge eines sogenannten "Rolling Review" begonnen. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde. Sputnik V ist nach Angaben aus Moskau bereits in 60 Ländern registriert.

In der Europäischen Union könnte der russische Impfstoff damit bereits im Sommer ebenfalls in hohen Mengen eingesetzt werden. Deutschland etwa verhandelt über dreimal zehn Millionen Impfdosen Sputnik V "für Juni, Juli, August", so Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vergangenen Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter nach einem Gespräch mit dem russischen Gesundheitsminister Michail Muraschko in Moskau. Voraussetzung sei aber eine Zulassung durch die EMA.

Kritik an Vorgehen einzelner Länder

Auch ohne diese Zulassung hatte aber zum Beispiel die Slowakei bereits vor Monaten Dosen von Sputnik V angekauft. Darauf war es zu harter Kritik an Ministerpräsident Igor Matovic gekommen, der Ende März zurücktrat. In Ungarn wird der Impfstoff bereits verimpft. Bundeskanzlerin Merkel hatte den Einsatz in der EU ohne offizielle Zulassung durch die EMA in der vergangenen Woche kritisiert.

Die Urlaubsinsel Zypern verzichtet ab 10. Mai auf eine Corona-Quarantäne für Einreisende aus anderen EU-Staaten, wenn diese einen negativen PCR-Test vorweisen können oder vollständig geimpft sind. Dabei wird eine Impfung mit dem russischen Wirkstoff Sputnik V gleichwertig behandelt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2021 um 12:00 Uhr.